12. Februar 2018 von Reiner Ugele

Die europäische Wildkatze

Wildtier des Jahres 2018 – Die Wildkatze

Alle Jahre wieder wird eine wild lebende und vor allem bedrohte Tiere besonders hervorgehoben. Es soll in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden, dass es hier in Deutschland viele wild lebende Tierarten gibt, die vom Aussterben bedroht sind. Dieses Jahr fiel die Wahl der deutschen Wildtier-Stiftung auf die europäische Wildkatze. Daher nehmen wir dies zum Anlass, euch dieses heimische Tier einmal genauer vorzustellen.

Um erst einmal alle Verwechslungen aus dem Weg zu räumen: die Wildkatze ist nicht verwandt mit unserer hier lebenden Hauskatze. Denn diese kommt ursprünglich aus dem Orient, beziehungsweise wurde diese Gattung von den alten Ägyptern gezüchtet, die weniger aggressiver gegenüber den Menschen ist. Über viele Wege, die auch über Rom führten, gelang so die heutige Hauskatze bis nach Europa.

Die typischen Charakteristika der Wildkatze

Die europäische Wildkatze ist also die ursprüngliche einheimische Katzenart und nicht unsere Hauskatzen. Der Unterschied zwischen den Arten wird auch bei den Merkmalen der Wildkatze deutlich. Diese ist massiger gebaut und zudem deutlich kräftiger.

Die männliche Wildkatze kann dabei eine Gesamtlänge von ungefähr 80 bis 97 cm erreichen und von 3 bis 6,5 kg schwer werden. Das Weibchen ist etwas kleiner und kann eine Gesamtlänge von 73 bis 94 cm erreichen. In der Gewichtsklasse ist sie dem männlichen Konterfei deutlich unterlegen und erreicht nur eine Gewichtsklasse von 2,3 bis 4,9 kg.

Wie der Luchs, die andere heimische Katzenart, besitzt die Wildkatze einen Schwanz, der relativ dicklich kurz gewachsen ist und stumpf endet. Typisch ist auch die markante Musterung mit drei Ringeln.

Die europäische Wildkatze mit ihren typischen drei Ringeln am Schwanz
Die europäische Wildkatze mit ihren typischen drei Ringeln am Schwanz

Die Kopfform ist bei der Wildkatze, im direkten Vergleich zu der Hauskatze etwas breiter. Zudem liegen die Augen auch weiter auseinander. Mit dem massiven Körperbau wirkt die Wildkatze daher etwas plumper und nicht so grazil.

Das Fell ist sehr gut an ihrer Umgebung angepasst. So wirkt dieses sehr verwaschen und kontrastarm, was sie im Unterholz sehr gut tarnen lässt. Typisch für die Wildkatze ist ein markanter durchgehender schwarzer Strich auf dem Rücken.

An der Innenseite der Schenkel geht die Farbe des Fells in einen rötlichen Ton über. Zudem ist ein schwarzer Fleck auf der Sohle und der helle Nasenspiegel ein weiteres Erscheinungsmerkmal der Wildkatze.

Der Lebensraum und die aktuelle Situation

Wie bei vielen anderen bedrohten Wildtieren auch stellt der Verlust des Lebensraumes, neben der früheren intensiven Bejagung, das größte Problem für das Überleben dieser Tiere dar. Die europäische Wildkatze lebt vorwiegend in Laub- oder Mischwälder, die weit abseits vom Einzugsgebiet der Menschen ist. Sie benötigt dabei sehr strukturreiche Gebiete, die Baumhöhlen, Totholzhaufen oder verlassene Dachs- und Fuchsbauten bieten.

Gerade hier in Deutschland ist durch die intensiv betriebene Forstwirtschaft ein fast unmöglicher Lebensraum für diese Wildtierart geschaffen worden. Der Wald ist einfach viel zu sauber, denn er wurde früher ja regelgerecht aufgeräumt. Zum Jagen braucht der einzelgängerische und menschenscheue Jäger viele Deckungsmöglichkeiten, um in seinem großen Jagdgebiet erfolgreich Beute zu erlegen.

In vielen deutschen Wäldern ist dies bis heute nicht mehr der Fall. Waldgebiete wurden gerodet und durchgehende Waldgebiete regelrecht fragmentiert. So verschwand die Wildkatze fast völlig aus Deutschland. Doch dank vielen Schutzzonen, Bannwälder und Naturparks besteht nun endlich wieder die Möglichkeit, dass dieses Raubtier wieder seinen Lebensraum erschließen kann. Auch ein Umdenken in der Forstwirtschaft führte letztendlich dazu, dass der Wald wieder vielen anderen Tieren und Organismen einen (natürlichen) Lebensraum bieten kann.

Die größte hier in Deutschland lebende Population befindet sich hauptsächlich im Mittelgebirge. Im Nationalpark Bayerischer Wald streifen auch wieder Wildkatzen umher. Problematisch ist die Situation aber noch immer, denn es fehlen nach wie vor geeignete Ausbreitungsgebiete und geeignete Möglichkeiten, um Straßen zu überqueren.

Ein paar allgemeine Fakten

Dass die europäische Wildkatze ein einzelgängerisches Leben führt, haben wir ja schon in dem Artikel erwähnt. Sie ist zudem meist ortstreu und bleibt gewöhnlich bis zum ihren Lebensende in ihrem Revier.

Die Paarungszeit verläuft in den Monaten Januar bis März. Die Tragzeit der Jungtiere beträgt ungefähr neun Wochen und das Weibchen kann in einem Wurf zwei bis vier Junge zur Welt bringen. Wenn die Jungkatzen sechs bis acht Monate alt sind, fangen sie an, sich ein eigenes Revier zu suchen. Die Sterblichkeit unter den jungen Wildkatzen ist sehr hoch, denn diese haben unzählige Feinde. Allgemein sind neben dem Menschen der Luchs und der Wolf die Hauptfeinde der Wildkatze. Die Jungtiere fallen meist eher Fuchs, Uhus, See- oder Steinadler zum Opfer.

Die Hauptnahrungsquelle von Wildkatzen sind Kleinsäugetiere wie zum Beispiel Wühlmäuse, Rötelmäuse oder Ratten. Aber der Speiseplan wird manchmal auch erweitert. So können auch Eichhörnchen, Kaninchen, Vögel, Eidechsen, Fische oder Insekten mit auf dem Plan stehen. In Notzeiten wird auch einmal zur pflanzlichen Kost gegriffen. Dies stellt jedoch eher die Ausnahme dar.

Wildkatzen sind absolut unzähmbar. Selbst dann wenn Tiere in der Gefangenschaft geboren wurden, ist es nicht möglich, sie an den Menschen zu gewöhnen. In der Natur lässt sie sich auch nur sehr selten beobachten, da sie den Menschen meidet. Daher sind Aufnahmen von Wildkatzen sehr selten. Dies macht den Beweis der Existenz von Wildkatzen in einem Gebiet relativ schwer. Wenn, dann lassen sich solche Beweise meist nur indirekt nachweisen oder mittels Fotofallen.

Es gelang aber schon ein paar wenigen Fotografen, eine Wildkatze abzulichten. Aber dies  sollte definitiv niemand als Herausforderung oder Aufruf ansehen. Lasst diesen Katzen ihren Lebensraum! Zur Information: Wir haben die hier gezeigten Bilder im Wildtierpark Tripsdrill gemacht.

Die Wildkatze steht in Deutschland unter Schutz und ist ganzjährig geschont. Sie zu jagen ist also nicht erlaubt. Das größte Problem besteht, wie schon geschrieben, im Erhalt und Rückgewinnung ihres Lebensraum. Durch viele Maßnahmen, die auch anderen Wildtieren zugute kommt, wird die zerklüftete Waldlandschaft wieder miteinander verbunden. Gerade diese Maßnahmen ermöglicht es auch der Wildkatze, wieder neue Lebensräume hier in Deutschland zu erschließen.

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