15. Juni 2018 von Reiner Ugele

Mondfinsterniss - Blutmond

Wie fotografiert man den Blutmond?

Ein eher seltenes astronomisches Schauspiel ereignet sich am 27. Juli 2018 wieder: die totale Mondfinsternis. Dieses ist auch allgemein unter dem etwas martialisch klingenden Namen Blutmond bekannt. Da dieser sich etwas von der normalen Vollmond-Fotografie unterschiedet, möchten wir euch ein paar Tipps zu diesem Ereignis vermitteln.

Die meisten von euch wissen sicherlich, was eine Mondfinsternis ist. Doch was passiert da genau? Zuallererst möchte ich euch kurz erklären, wie so eine Mondfinsternis entsteht und was genau dabei passiert. Diese Grundlagen sind für euch Fotografen wichtig, um später auch zu verstehen, wie ihr eure Kamera einstellen müsst.

Die Entstehung von Mondfinsternissen

Um eine totale Mondfinsternis sehen zu können, muss es sich dabei um eine Vollmondnacht handeln. Das heißt, dass der Mond sich in Opposition zur Sonne befindet und dieser in einer relativ nahen Bahn die Erde umläuft. Sind diese Bedingungen erfüllt, so kommt eine Mondfinsternis zu Stande. Die Schnittpunkte zwischen Mond- und Erdumlaufbahn bilden also die Grundlage dafür, ob der Mond von dem Erdschatten (voll oder partiell) verdeckt wird oder nicht.

Mondfinsternisse können, im Vergleich zu Sonnenfinsternissen, an jedem Ort auf der Nachtseite der Erde beobachtet werden. Abgängig ist nur die relative Lage zum Horizont. Dabei sollte es einem bewusst sein, dass es auch verschiedene Formen der Mondfinsternisse gibt und nicht nur die totale.

Die verschiedenen Arten der Mondfinsternisse

Taucht der Mond in den Schatten der Erde ein, so können ja nach Postion eine totale Kernschattenfinsternis, eine partielle Kernschattenfinsternis, eine totale Halbschattenfinsternis oder eine partielle Halbschattenfinsternis entstehen.

Was nun am 27. Juli 2018 stattfinden wird, ist die eher seltene totale Kernschattenfinsternis. Bei diesem astronomischen Ereignis tritt der Mond vollständig in den Kernschatten der Erde ein. Umgangssprachlich wird dieses Ereignis auch als Blutmond bezeichnet. Dies resultiert daraus, dass der Mond sich bei dieser Konstellation „blutrot“ färbt.

Der Blutmond

Eigentlich es kein wirklicher roter Ton, sondern geht eher mehr in ein dunkleres Orange. Für diese Färbung ist das Sonnenlicht verantwortlich, das von der Erdatmosphäre in den Schattenkegel hinein gebrochen wird. Primär sind es langwelligen roten Anteile des Lichtes, die diese Verfärbung bewirken. Dadurch leuchtet der Mond sehr schwach in einem leichten rötlichen, orangen Ton.

Fotografieren in der totalen Mondfinsternis

Anders als bei einer Vollmondnacht leuchtet der Mond bei einer totalen Mondfinsternis nicht wirklich hell. Daher gibt es bei der Fotografie einiges zu beachten. Ein wesentlicher Punkt ist, dass sich die Belichtungszeit verlängert. Es sollte immer darauf geachtet werden, keine allzu langen Belichtungszeiten einzustellen. Der Grund dafür ist, dass es sich beim Mond wie auch bei der Erde selbst um ein rotierendes/bewegendes Objekt handelt. Eine zu lange Belichtung würde eine Bewegungsunschärfe zur Folge haben, sprich das Bild wird unscharf.

Was bleibt also einem übrig? Es gibt dabei drei Möglichkeiten: Entweder öffnet ihr die Blende oder erhöht die ISO-Zahl. Die dritte Möglichkeit wäre, dass ihr die Blende öffnet und die ISO -Zahl dazu erhöht. Denn nur so schafft ihr es, keine Bewegungsunschärfe in die Aufnahme hineinzubekommen. Lieber ihr riskiert eine etwas rauschende Aufnahme mit weniger Details des Mondes, als wenn ihr eine Unschärfe in Kauf nehmt.

Alternativ könnt ihr auch einen Sky-Tracker verwenden, der die Bewegung der Umlaufbahn des Mondes mit bewegt. Diese Montierungen für das Stativ sind in der Regel recht kostspielig in der Anschaffung und ist doch eher für die Fotografen zu empfehlen, die sich primär für Astrofotografie interessieren. Wer sich dafür interessiert, der kann in einer Suchmaschine nach den Wörtern „Sternen Nachführung“ suchen. Dort solltet ihr dann fündig werden.

Persönliche Erfahrungswerte

Vorab möchte ich euch schon einmal meine persönlichen Erfahrungen bei der Blutmond Fotografie mit euch teilen.  Der letzte Blutmond, den ich fotografiert habe war  aus dem Jahr 2015 (28. September). Für diese Aufnahmen nutzte ich ein 300 mm-Objektiv und eine Canon 70D Kamera. Dabei machte ich die Blende voll auf, was an diesem Objektiv den Blendenwert von 5,6 entsprach. Doch reichte dies auch nicht, da das Licht letztendlich zu schwach war um den Blutmond gut ablichten zu können.

Also erhöhte ich zu guter Letzt die ISO-Zahl auf 1250 und bekam daraus eine Belichtungszeit von 0,8 Sekunden. Dies hat dann doch gereicht um diese Phase der totalen Mondfinsternis gut ablichten zu können. Doch sollte es jedem bewusst sein, dass das Rauschen durch diese Maßnahmen doch etwas im Vordergrund ist. Auch die Details der Mondoberfläche lässt durch die offene Blende etwas zu wünschen übrig.

Stacking für ein besseres Ergebnis

Doch gibt es einen sehr guten Trick, wie ihr trotzdem noch eine rauscharme Aufnahme mit besser dargestellten Details bekommen könnt. Das Zauberwort heißt Stacking. Auf unserem YouTube Kanal gibt es Video Tutorials zu diesem Thema, wie ihr mit diesem Verfahren mehr Details in eure Fotografien bekommen könnt.

Beim Blutmond funktioniert dieser Trick ebenso. Wie das genau funktioniert, erkläre ich euch in dem nachfolgenden Video bei einem Vollmond. Wichtig ist, dass ihr mehrere Aufnahmen hintereinander macht, ohne dass ihr etwas an den Einstellungen verstellt. Vielleicht ist es nötig, dass ihr mit dem Objektiv manuell nachführen müsst. Das heißt, dass ihr das Objektiv der Mondumlaufbahn anpassen und so verstellt, dass der Mond wieder im Aufnahmebereich (im Sucher/Display) zu sehen ist.

Die Einstellungen

Vergleich der Stacking Aufnahmen des Blutmond
Vergleich der Stacking Aufnahmen des Blutmond

Der Autofokus sollte auf alle Fälle abgeschaltet sein und ihr solltet auch im „manuellen Modus“ fotografieren. Denn für das Stacking ist es von Vorteil, dass ihr identische Aufnahmen erstellt. Abweichung in der Belichtung können zu einem unschönen Ergebnis bei der späteren Zusammenrechnen der Aufnahmen führen.

Die Frage, ob ihr, den Bildstabilisator (falls vorhanden) ausschalten solltet, ist euch überlassen. In der Regel sollte dieser ausgeschaltet sein, sobald ihr von einem Stativ aus fotografiert. Dies kommt der Bildqualität zu gute und sollte nur im Notfall, wie zum Beispiel bei aufkommenden Wind, hinzu geschaltet werden.

Auf der oberen Aufnahme seht ihr den Blutmond, den ich am 28. September 2015 um 5 Uhr morgens aufgenommen habe. Wie ich schon geschrieben habe, wurde bei dieser Aufnahme die maximale offene Blende von 5.6  gewählt. Zudem habe ich die längst mögliche Belichtungszeit gewählt. Diese lag dann bei 0,8 Sekunden.

Der ISO-Wert musste hoch auf 1250 gesetzt werden. Aktuelle Kameras kommen mit diesen Werten gut klar. Wer eine Vollformat-Kamera besitzt, sollte sich bei höheren ISO-Werten keine Gedanken machen. Diese sind im Allgemeinen rauschärmer als APS-C oder Third-Four Sensor Chips.

Aber hier sollte jetzt keiner von euch denken, der keine Vollformat Kamera besitzt, dass dadurch eure Aufnahmen schlechter werden. Nein, denn hier kommt ja das angesprochene Stacking ins Spiel. Damit lässt sich das Rauschen sehr gut in Griff bekommen. Aber das heißt nicht, dass ihr den ISO-Wert sehr hoch setzen solltet. Öffnet lieber die Blende, soweit es möglich ist, und es die Bildqualität zulässt.

Die Einstellungen können sich, je nach verwendeter Kamera und Objektiv, bei euch anders verhalten. So spielt die jeweils verwendete Kamera einen Faktor, wie auch die Brennweite des Objektivs. Wenn ihr bei der Belichtungszeit unter einer Sekunde bleibt, dürfte es in der Regel keine Schwierigkeiten bezüglich der Bewegung des Mondes geben. Erhöht lieber etwas die ISO oder öffnet die Blende um so die Belichtungszeit einstellen zu können.

Was ihr noch für den Blutmond wissen müsst

Die wichtigsten Punkte wurden ja schon beschrieben. Wichtig ist noch, dass ihr das richtige Objektiv verwendet. Für die Mondfotografie sollte mindestens ein 200 mm-Teleobjektiv verwendet werden. Alles darunter könnt ihr getrost vergessen. Damit lässt sich der Mond nicht wirklich toll in Szene setzen.

Das Beste wäre, wenn ihr lichtstarke Tele-Festbrennweite verwendet. Diese bieten deutlich mehr Möglichkeiten als die Telezoom-Objektive. Der einzige Nachteil ist, dass euer Geldbeutel oder Konto deutlich leichter/leerer wird. Aber selbst mit einem „günstigeren“ Zoom lässt sich der Mond bzw. die Mondfinsternis gut fotografieren.

Meine Empfehlung ist ein Zoomobjektiv ab 300 mm zu verwenden. Diejenigen, die keine Vollformat-Kamera besitzen, können sich nämlich noch über den Cropfaktor der jeweiligen Sensor Chips freuen. Das heißt, dass das Bild noch einmal größer dargestellt wird um den Faktor 1,5 – 1,6.

Zu guter Letzt ist wohl das wichtigste Werkzeug für die Blutmond-Fotografie der Kabel- bzw. Funkauslöser. Allgemein empfiehlt es sich, immer fern auzuslösen. Egal ob über eine App, über einen Kabelauslöser oder über Infrarot. Eine manuelle Auslösung bringt eure Kamera auf dem Stativ nur in Schwingung. Bei schlechten Lichtverhältnissen und einer längeren Belichtungszeit heißt das, dass das Bild unscharf werden kann.

Die Situation des Blutmonds 2018

Dieses Jahr wird die totale Mondfinsternis anders werden. Der Grund dafür ist, dass der Eintritt in den Erdschatten genau dann ist, wenn der Mond aufgeht. Wer von euch schon einmal den aufgehenden Mond fotografiert hat, der weiß vielleicht wie schwierig es ist, diesen gut ablichten zu können.

Zudem kann dieses Jahr die Phase des Eintritts nicht abgelichtet werden. So müssen wir uns, falls das Wetter mitspielen sollte, nur mit der abgeschlossenen Eintrittsphase bzw. der totalen Mondfinsternis und dem Austritt begnügen.

Es wird sicherlich sehr interessant werden, wie sich das ganze verhalten wird. Vor allem was die Belichtung angeht, bin ich selbst schon gespannt. Auf alle Fälle könnt ihr mit einer längeren Belichtungszeit und höheren ISO-Zahlen rechnen.

Ihr solltet euch auch bewusst sein, dass ihr während der aufgehenden Phase den Fokus immer wieder neu justieren müsst. Gerade das Hitzeflimmern im Juli lässt das Bild unscharf wirken.

Der aufgehende Mond mit dem Problem des Herzflimmerns und der daraus resultierende Unschärfe
Der aufgehende Mond mit dem Problem des Herzflimmerns und der daraus resultierende Unschärfe

Für die Aufnahme sucht ihr euch einen geeigneten erhöhten Standort außerhalb von Städten mit einem guten und freien Blick in südöstlicher Richtung. Schaut auch, dass ihr keine störenden Motive mit in die Aufnahme bekommt. Es gibt nichts schlimmeres als Stromleitungen, die durch das Bild und das Motiv laufen, und nachher aufwändig retuschiert werden müssen!

Die Checkliste

Zum Abschluss möchten wir noch einmal euch eine Checkliste geben, damit ihr auf die totale Mondfinsternis 2018 vorbereitet seid.

  • Akku laden
  • Speicherkarte leeren / formatieren
  • Objektiv reinigen
  • Stativ bereit halten
  • Kabelauslöser bereit halten und Funktion testen
  • alternativ: App checken ob dieses sich mit der Kamera verbindet
  • Blende öffnen
  • höheren ISO-Wert verwenden
  • Korrekte Belichtungszeit einstellen
  • manuell fokussieren (AF ausschalten!)
  • Serienaufnahme erstellen
  • Fokus nach ein paar Aufnahmen kontrollieren und justieren

Zum Abschluss noch ein paar Tipps

Die Stackingaufnahmen könnt ihr erst dann machen, wenn der Mond frei im Himmel zu sehen ist. Habt ihr noch Teile vom Horizont in der Aufnahme funktioniert das ganze nicht gut. Es sei denn, ihr kennt euch gut mit Photoshop und Bildbearbeitung aus.

Es gibt für die maximale Belichtungszeit eine Faustregel. Einmal die 300er-Regel für Crop-Kameras und für Vollformat-Kameras die 500er-Regel. Ihr nehmt den Wert für eure Kamera, wie zum Beispiel für APS-C Kameras 300 und dividiert diesen durch eure eingestellte Brennweite. Bei einem 300 mm-Teleobjektiv würde es dann eine maximale Belichtungszeit von einer Sekunde ergeben, ohne dass es zu einer Bewegungsunschärfe kommt.

Meiner Erfahrung nach, solltet ihr aber schauen, dass ihr immer etwas unter der maximalen Belichtungszeit bleibt (auch wegen des Crop-Faktors). Ein bisschen Spielraum schadet nichts und je nach Wetterlage kann sich dies auch immer noch verändern. Aber länger als der errechnete maximale Wert sollte ihr auf Fälle nicht überschreiten. Lieber etwas kürzer belichten und gegebenenfalls die Blende öffnen oder den ISO-Wert erhöhen.

Es ist auch immer wichtig, dass ihr die ungefähre Richtung des Mondaufgangs kennt. Denn wenn der Mond aufgeht habt ihr nicht viel Zeit, um alles erst einmal auszurichten. Denn das Ein- und Scharfstellen wird euch am Anfang schon einmal wichtige Zeit kosten. Daher empfehlen wir euch, dass ihr euch eine App besorgt, die die Position des Mondes anzeigt.

Jetzt heißt es hoffen, dass das Wetter mitspielt und wir ein wirklich tolles astronomisch Spektakel beobachten können. Falls das Wetter doch nicht mitspielen sollte oder ihr vielleicht dieses Ereignis verpassen sollte, so könnt ihr es Anfang des Jahres 2019 noch einmal beobachten.

Die nächste vollständig sichtbare aber nicht totale Mondfinsternis ist am 21. Januar 2019. Danach folgt am 16. Juli 2019 eine partielle Mondfinsternis. Die nächste totale Mondfinsternis gibt es dann erst wieder am 26. Juni 2029 zu sehen.

Wir wünschen euch viel Erfolg bei euren Aufnahmen!

Zeigt uns eure Aufnahmen bei Instagram unter dem Hashtag #naturbildermagazin

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