16. Oktober 2016 von Reiner Ugele

Waldkauz Vogel des Jahres 2017 Titelbild

Vogel des Jahres 2017: Der Waldkauz

Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) hat den Waldkauz (Strix Aluco) zum Vogel des Jahres 2017 gewählt. Dieser gehört zu den größten hier lebenden Eulenarten. Nur der Uhu und der wiederangesiedelte, sehr seltene Habichtskauz sind noch größer. Die Situation für Eulen, auch für den Waldkauz, wird immer schwieriger. Der Grund dafür ist, dass er keine geeigneten Brutstellen mehr finden kann. Es liegt daran, dass unsere Wälder und Parks einfach zu „sauber“ sind und es keine alten Bäume mehr gibt, die er zum brüten nutzen kann. Zudem ist das Nahrungsangebot geringer geworden, was eine Vermehrung dieser Vögel immer schwieriger macht.

Den Waldkauz kennt eigentlich jeder

Wer einmal das Glück auf seiner Seite hat und einen Waldkauz sichtet, der wird ihn auch sofort erkennen. Dieser gehört, wie schon geschrieben, zu den größten hier lebenden Eulenarten und hat ein sehr markantes Federkleid. Sein natürlicher Tarnanzug ist sehr gut an seine Umgebung angepasst, die einer Baumrinde ähnelt. Manchmal muss dann doch 2 – 3 mal hingeschaut werden, um ihn deutlich erkennen zu können.

Waldkauz am Tag
Waldkauz am Tag

Der Waldkauz besitzt eine Körperlänge von ca. 40 cm Länge und erreicht eine Flügelspannweite von ungefähr 94 – 104 cm. In der Kategorie „Gewicht“ liegen die Weibchen klar vorne und erreichen ein Gewicht von durchschnittlich 560 Gramm. Die Männchen erreichen dabei „nur“ ein Gewicht von durchschnittlich 440 Gramm. Zu den besonderen Merkmalen (die ihn eindeutig von anderen Eulenarten differenziert) zählen zu einem der Kopf, der im Verhältnis zu dem gesamten Köper größer wirkt und seine großen schwarzen Augen. Ein weiteres Merkmal ist der ausgeprägte Schleier (der Bereich des Gesichtsfelds bzw. der Augen).

Der Körperbau ist oval geformt und besitzt überwiegend einem beigebraunen Farbton. Ein weiteres markantes Merkmal dieser Eule sind zwei weißliche Farblinien an der oberen Umrandung des Schleiers. Diese wirken schon fast wie Augenbrauen und sind ein deutliches Kennzeichen für einen Waldkauz. Der Brustbereich des Federkleides ist deutlich durch ein Muster – dunkle Längsstreifen mit helleren Querstreifen – gekennzeichnet. Die Waldkäuze gehören zu den Farbmorphen, was bedeutet, dass ihr Gefieder unterschiedliche Farben aufweisen kann. Die Farben erstrecken sich von grau, braun bis zu einem rotbraunen Ton. In Westeuropa dominiert mehr das braune, rostbraune Gefieder, weiter im Norden das graue Gefieder. Das Fehlen der Federohren, wie bei dem Uhu oder der Waldohreule, ist weiterer markanter Unterschied gegenüber anderen Eulen. Zudem besitzt er einen stark gekrümmten Schnabel, der in einem geblichen Ton gefärbt ist.

Das unverkennbare an einen Waldkauz ist sein Ruf. Selbst wenn man noch nie einen gesehen hat, so kennt man diesen markanten „Huu-Hu-Huuhuuhuu“-Laut sicherlich aus irgendeinem Film. Dieser dient nicht nur als Balzgesang, sondern dient auch zur Kontaktaufnahmen untereinander.

Der lautlose Jäger

Wie all die anderen Eulenarten auch fliegt und gleitet der Waldkauz lautlos durch die Luft. Gerade sein besonderes Federkleid wirkt wie eine Art Schalldämpfer, die ihn zu einem unhörbaren Jäger der Lüfte macht. Wer einmal die Möglichkeit hat, der sollte einfach einmal so ein Federkleid einer Eule berühren. Der wird dann diese sehr sanfte Struktur bemerken, die diese Eigenschaft des lautlosen Fliegens erst ermöglicht. Zudem bietet der trichterförmige Kopf eine Art Schallverstärkung, mit dem dieser die Geräusche seiner Beute im Flug hören kann.

Seine großen Augen eignen sich hervorragend, um bei wenig Licht noch jagen zu können. Die Iris kann das einfallende Licht sehr gut regulieren, was ihn eine sehr gute Sicht auch bei unterschiedlichen Lichtsituationen garantiert. Der Waldkauz ist erst ab der Dämmerung aktiv und verbringt den Tag über in einer schützenden Deckung. Er besitzt ein festes Revier, welches er auch bis zum Lebensende benutzt und verteidigt. Deshalb ist er auch sehr auf den Bestand der Beutetiere in diesem Habitat abgewiesen. Dies ist ebenso entscheidend, wie groß seine Brut ausfallen wird. Bei einem sehr geringen Bestand von Beutetieren fällt auch der Nachwuchs geringer aus.

Die Nahrung

Waldkäuze ernähren sich primär von kleinen Säugetiere wie Mäuse bis hin zu Eichhörnchen oder Kaninchen. Sie schlagen Tiere bis zu ihrer eigenen Körpergröße, wie z.B. auch die etwas kleinere Waldohreule. Aber auch andere Vögel stehen auf ihrem Speiseplan, auch wenn diese eher einen kleinen Prozentsatz ausmachen. Abwechslungsreich ist dieser auf alle Fälle, denn auch Frösche, Käfer und Regenwürmer stehen ebenso auf diesem. Im Prinzip wird also alles in seinem Revier gejagt, was als einer Nahrungsquelle und dem Beuteschema entspricht.

Die Problematik des Lebensraum

Ein Waldkauz in einer Baumhöhle
Ein Waldkauz in einer Baumhöhle

Die Waldkäuze sind hauptsächlich auf alte Bäume angewiesen. Denn dort finden sie nicht nur ihre Bruthöhlen, sondern auch ihren Rückzugsort für den Tag. Leider ist die Situation in Deutschland immer schwieriger geworden, da die Wälder hauptsächlich bewirtschaftet werden. Da gibt es keinen Platz für alte, tote Bäume. Zudem wird durch den Einsatz von Pestiziden die Anzahl der Beutetiere (Mäuse) immer weiter dezimiert. Zum Jagen brauchen die Waldkäuze offene Lichtungen und Waldränder, da sie ihre Beute im Flug aufspüren und schlagen. Auch die Aufforstung von Lichtungen schränkt den Lebensraum dieser Tiere immer weiter ein.

Aber nicht nur in Wäldern findet man diese Tiere, sondern auch in Parks oder Gärten. Deutschlandweit bekannt sind die Waldkäuze in München in der Parkanlage des Schloss Nymphenburg und im Englischen Garten. Dort hat unsere Redakteur Matthias Gröner schon Aufnahmen von diesen dort lebenden Waldkäuze gemacht. Diese Tiere gehören zu unserer Umgebung dazu und es wäre schade, wenn auch diese Eulenarten immer mehr in das Abseits gedrängt werden würden. Der Uhu gehört ja schon zu den bedrohten Eulenarten. Soweit sollte es einfach nicht kommen. Schön wäre es, wenn es doch mehrere Projekte wie Bannwälder und Naturschutzgebiete geben würde, um diesen Tieren auch einen Lebensraum gewährleisten zu können.

Bilder von Waldkäuzen

 

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