28. Dezember 2016 von Reiner Ugele

Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC mit Streulichtblende

Erfahrungsbericht mit dem Sigma 10-20mm Objektiv

Schön länger war ich auf der Suche nach einem neuen Weitwinkelobjektiv, das mein KIT EF-S 18-55mm Objektiv von Canon ersetzen sollte. Für diesen Austausch gab es einfach verschiedene Gründe. Einer war, dass mir die 18mm Brennweite einfach zu wenig war. Denn rechnet man den Crop-Faktor von 1,6 hinzu (welcher durch den APS- C Sensor entsteht), so kommt man umgerechnet auf das Kleinbildformat auf eine Brennweite von 28,8mm. Dies beschränkte mich in meinen Landschaftsfotografien doch immer recht merklich.

Manchmal fehlte dann doch noch etwas mehr bzw. weniger Brennweite. Denn nicht immer bekam ich alles mit auf die Aufnahme, was man gerne mit im fertigen Bild hätte. Dies fiel mir besonders  auf als ich meine ersten Versuche gemacht habe, die Milchstraße zu fotografieren. Um dieses Manko zu kompensieren, fing ich an, Panorama-Aufnahmen zu erstellen. So gelang es mir, den Bildwinkel des Objektiv zu vergrößern. Dies war auch recht effektiv und hat mir in manchen Situationen geholfen. Doch ist diese Technik auch mit einem gewissen Mehraufwand verbunden. Die erstellten Bilderserien müssen später am Rechner noch zusammengefügt und bearbeitet werden.

Der weitere Punkt war die Abbildungsleistung. Je nach Blendeneinstellung und „Tagesleistung“ des Kit-Objektiv kamen teils sehr gute und scharfe Bilder zum Vorschein, aber gab es auch Aufnahmen, die nicht wirklich überzeugen konnten. Dies bemerkte man dann deutlich, wenn man in die Bilder hineingezoomt hat und die Verzeichnung deutlich zu sehen war.

Meine persönliche Erfahrung mit diesem Objektiv schwankte so von Aufnahme zu Aufnahme von positiv bis enttäuscht. Nichtsdestotrotz habe ich mit diesem Objektiv ein paar schöne Aufnahmen machen können, sodass nicht gesagt werden kann, dass dieses gar nicht zum fotografieren geeignet ist. Nein, für den Anfang ist dies wirklich eine gute und günstige Linse, die man ja mit der Kamera mit dazu bekommen kann. Aber die Ansprüche steigern sich im Laufe der Jahre.

Hier ist nun mein persönlicher Erfahrungsbericht, wie ich zu dem Sigma 10-20mm Weitwinkel Objektiv kam und wie der erste Eindruck von diesem Objektiv ist.

Die Entscheidungsfindung für ein neues Weitwinkelobjektiv

Über die Jahre, die ich schon fotografiere, reichte mir das Kit-Objektiv für meine Verwendungszwecke immer vollkommen aus. Meine Investitionen im Bereich der Objektive lag mehr im Bereich Teleobjektiv und Festbrennweite. Doch mit der Zeit steigerten sich meine Ansprüche und auch die Erwartung an die Qualität der Aufnahmen. Als ich zuletzt meine Ausrüstung aufrüsten wollte, stand ich vor zwei Entscheidungen. Entweder ein neues Objektiv, welches das Kit ersetzt oder eine neue Kamera.

Die Wahl fiel letztendlich auf eine neue Kamera, weil die alte nicht mehr meine Ansprüche decken konnte, die ich mit meiner Fotografie erreichen wollte. Dazu kam auch das Glück, dass ich die Kamera mit einem STM KIT zu einem wirklich sehr günstigen Preis bei einem großen Elektrofachhändler bekam. So hatte sich auch das Thema mit dem neuen Weitwinkel erledigt, weil ja ein neues Kit-Objektiv mit dabei war. Hierbei sollte ich noch anmerken, dass sich in mein altes Gehäuse schon Staubkörner geschlichen haben. So etwas führt bei Gegenlichtaufnahmen zu hässlichen Artefakten und mindert allgemein die Bildqualität.

Der STM AF (Autofokus) Motor ist im Gegensatz zum alten wirklich sehr leise, aber doch primär auf das Filmen ausgelegt. Die Abbildungsleistung ist deutlich besser als die alte Version. Dennoch gibt es auch immer wieder ein paar Aufnahmen, die eine schlechte Abbildungsleistung liefern. Auch dies ist wieder abhängig von den jeweiligen Einstellungen der Kamera.

Nun stand ich aber wieder vor den oben genannten Problem mit dem Bildwinkel und der nicht zufrieden stellenden Abbildungsleistung. Ok, die Abbildungsleistung hat sich zum alten KIT schon verbessert und mittels Panorama-Aufnahmen konnte ich auch das Manko des geringen Weitwinkels kompensieren. Doch war es nicht wirklich das Wahre, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Mein Hauptziel war es, dass dass ich ja die Milchstraße fotografieren wollte. Ein Versuch war es trotzdem wert und mittels einer Panorama-Aufnahme hat das doch mehr oder weniger gut geklappt. Doch war der Bildausschnitt für einzelne Aufnahmen doch recht beschränkt und für Langzeitbelichtung-Aufnahmen ist es etwas schwierig, eine vernünftige Panorama-Aufnahme zu erstellen. Denn jeder weiß oder sollte wissen, dass sich die Erde dreht und somit wandern auch die Sterne.

Ein weiterer negativer Punkt bei STM ist, dass diese Objektive keinen Anschlag bei der Unendlich-Einstellung besitzt. Gerade in der Nacht ist dies besonders nachteilig, weil es mitunter sehr umständlich sein kann. Es ist nur mit viel Aufwand möglich, die Sterne scharf zustellen. Allgemein fällt bei der Milchstraßen-Fotografie zu wenig Licht in die Kamera, sodass die Möglichkeit per Live View zu fokussieren nicht wirklich funktioniert. Ein positiver Aspekt ist die Lichtstärke bzw. Blendenöffnung. Bei 18mm Brennweite beträgt diese F3,5, Was auch vollkommen ok ist und mit dieser Blende es auch möglich, den Sternenhimmel zu fotografieren. Doch alles in allem fasste ich doch den Entschluss, einen Ersatz für das Canon EF-S 18-55mm zu suchen.

Die schwierige Suche nach dem richtigen Weitwinkelobjektive

Die Suche nach einen Weitwinkelobjektiv gestaltete sich doch schwieriger als gedacht. Schon länger fiel mir das Tokina 11-16mm ins Auge. Von diesem sah ich schon einige Milchstraßen-Aufnahmen. Die konstante Blende von F2,8 war ein weiterer Pluspunkt, der für diese Objektiv sprach. Lange war dieses auch mein Favorit, doch gab es am Ende doch noch ein Kriterium, warum ich mich für ein anderes entschieden habe. Dazu komm ich aber später noch.

Ein Blick auf EF-S 10-18mm 1:4,5-5,6 IS STM Objektiv

Bei einer Wanderung nach Bad Urach zu den Wasserfällen konnte ich von das Canon EF-S 10-18mm 1:4,5-5,6 IS STM Objektiv testen. Dieses stellte mir ein befreundeter Fotograf während der Tour zur Verfügung. So konnte ich erst einmal selber sehen, welcher Blickwinkel 10mm Brennweite, also effektiv 16mm (kb), entspricht. Ja, es ist wirklich ein sehr großer Unterschied zu den 28,8mm (kb) die ich mit dem Kit zur Verfügung hatte. Das Canon 10-18mm fiel aber sofort bei mir durch. STM Motor und eine Blende von  F4,5 bei 10mm war mir definitiv zu wenig. Gerade dann, wenn man den Sternenhimmel fotografieren möchte. Zudem verursacht das Objektiv starke Chromatische Aberrationen bei Gegenlicht und die Randverzeichnungen bei 10mm waren auch nicht wirklich schön.

Die Abbildungsleistung hatte mich bei diesem Objektiv auch nicht überzeugen können. Es war nicht besser als die, welche ich bei dem KIT hatte und durch die schon genannten Verzeichnungen gab es auch in der Detailtreue keine Verbesserung. Für den Verkaufspreis ist dieses Objektiv sicherlich ein gutes und günstiges Weitwinkelobjektiv mit einer Brennweite von 10mm. Für meine Ansprüchen reichte dies aber einfach nicht, auch wenn der Preis sehr verlockend war.

Tokina die bessere Wahl?

Daher ging die Suche nach einem guten Weitwinkelobjektiv weiter. Das Tokina war bis zu dem Zeitpunkt noch immer mein Favorit. Als es dann so langsam ernst wurde und ich genauer recherchierte, fand ich doch einige negativ Punkte. Oftmals las ich schon davon, dass dieses Objektiv bei Gegenlicht ziemlich starke Flares und Ghostings produziert. Also Bildstörungen, die durch das Brechen des Licht an der Linse selbst entstehen. Diese sollen bzw. sind bei diesem Objektiv wohl sehr ausgeprägt. Ein Testvideo mit diesem Objektiv bestätigte diese Behauptung. Da ich allgemein auch Landschaftsaufnahmen mit viel Gegenlicht fotografiere, sind diese Störungen doch viel zu stark um darüber hinweg zu sehen. So strich ich das Tokina wieder von meiner Liste. Denn rein um den Sternenhimmel zu fotografieren war mir dieses Objektiv dann doch zu teuer. Zudem fiel mir die Entscheidung noch leichter, mich gegen dieses Objektiv zu entscheiden, als der Preis preis stieg und über mein Budget ging.

Der Kompromiss mit dem Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC Objektiv?

Alle anderen Objektive fielen ebenso durch mein Raster. Entweder waren sie zu teuer und oder für eine Vollformat-Kamera bestimmt, aber nicht für das was ich mir vorgestellt hatte: maximal 10mm Brennweite, kleiner als eine 3,5 Blende durfte dies auf keinen Fall haben. Am Besten eine durchgängige Blende zu einem angemessenen Preis. Als Alternative hatte ich noch das Canon EF-S 10-22mm 1:3,5-4,5 USM Objektiv zur Auswahl oder das Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC. Nach verschiedenen Rezensionen, Testberichten und reichlicher Überlegung entschied ich mich für das Objektiv von Sigma. Das Preis-Leistungs-Verhältnis fand ich persönlich weit besser und die begutachteten Bilder sahen für mich vielversprechend aus. Um eins vorweg zu nehmen: Randverzeichnungen bei 10mm Brennweite gibt es leider auch bei diesem Objektiv. Im direkten Vergleich war dies bei dem Sigma-Objektiv nicht so signifikant wie bei dem zuvor genannten Canon 10-18mm Objektiv.

Ergänzend möchte ich noch erwähnen: Die beiden hier genannten Canon- und Sigma-Objektive sind EF-S Objektive. Das bedeutet, dass diese nur mit Kameras mit APS-C Sensoren richtig funktionieren. Würde man diese auf eine Vollformat-Kamera montieren, so würde es starke Vignettierungen an den Rändern geben. Canon kennzeichnet diese Objektive mit der Bezeichnung EF-S. Vollformat-Objektive heißen „EF“; also ohne das „-S“ am Ende. Sigma hat wieder eine andere Bezeichnung für Objektive, die nur für APS-C Kameras geeignet sind. Diese erkennt man unter der Bezeichnung „DC“. Auch hier würde der gleiche Effekt wie bei den EF-S Objektiven auftreten, wenn man diese an eine Vollformat-Kamera montieren würde.

Daher sollten sich Fotografen, die im Besitz einer Vollformat-Kamera sind, nach einer anderen Alternative umschauen.

Der erste Eindruck zum Sigma 10-20mm F3,5 Weitwinkelobjektiv

Es heißt ja immer so schön, dass der erste Eindruck zählt. Wobei man sich ja nicht nur von dem äußeren Dingen täuschen lassen sollte, sondern auch ausgiebig das Objektiv testen muss. Oftmals hat man in diversen Foren und Produkt-Reviews lesen müssen, dass es oft vorgekommen ist, dass Käufer oftmals sogenannte „Montagsgeräte“ erwischt haben. Es sei jetzt mal dahingestellt, denn schreiben kann jeder viel. Zudem ist jedes Kamerasystem anders und für einen Objektivhersteller schwierig, die Objektive an allen Geräten 100 Prozent passend zu machen.

Tatsache ist aber auch, dass es auch andere Hersteller gibt, die solche „Montagsgeräte“ herstellen. Daher ist es wichtig, dass das Objektiv vor oder nach dem Kauf ausgiebig getestet werden sollte. Denn so kann dieses immer noch schnell umgetauscht werden. Mit meinem Objektiv hatte ich jedenfalls keine Probleme. Es funktioniert einwandfrei an meiner Kamera.

Zubehör

Bei dem Sigma 10-20mm Objektiv ist eine Tasche und eine Streulichtblende im Lieferumfang enthalten. Das kann man schon mal recht positiv bemerken, wenn man bedenkt, dass diese bei Canon-Objektiven meist dazu gekauft müssen. Nur bei den L-Objektiven, also den hochwertigeren, legt Canon Streulichtblenden mit dazu. Da punktet Sigma schon mal deutlich.

Allgemeiner Eindruck nach dem Auspacken

Das Sigma-Objektiv fühlt sich allgemein sehr hochwertig an und ist kein „Plastikbomber“, bei dem man Angst haben muss, dass er gleich auseinander fällt. Es ist sehr sauber verarbeitet und liegt auch richtig gut in der Hand. Bis jetzt habe ich es noch nicht gewogen, aber ich habe gelesen, dass es um die 700 g wiegt. Jedenfalls ist dieses nicht wirklich schwer, selbst dann nicht, wenn es an der Kamera montiert wurde. Da ist der Batteriegriff deutlich schwerer, den ich zusätzlich an meiner Kamera befestigt habe oder auch mein Teleobjektiv.

Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC Bajonett Anschluss
Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC Bajonett Anschluss

Sehr positiv finde ich, dass das Sigma-Objektiv einen metallenen Bajonettverschluss besitzt. Dieser verschleißt nicht so sehr wie es bei meinen beiden alten Kit-Objektiven der Fall war. So ist garantiert, dass das Objektiv auch fest auf der Kamera sitzt und das Gewinde nicht abbrechen kann oder anderweitig beschädigt wird. Man weiß ja nie, was alles passieren kann. Die Montage wie auch die Demontage funktioniert einwandfrei, ohne dass sich etwas verhakt oder schwerfällig läuft.

Es gibt seitlich zusätzlich einen Schalter, mit dem man zwischen Autofokus und manuellen Fokus umstellen kann. Dieser geht recht leicht und hat eine Nase oder Erhebung, wie man es nennen mag, mit dem man bequem zwischen den beiden Modi hin und her schalten kann. Der Fokusring wie auch der Ring für die Brennweiten-Einstellungen laufen sehr angenehm und man kann mit diesem die Brennweite so wie auch den manuellen Fokus präzise einstellen. Die jeweiligen Einstellungen für die Brennweite und den Fokus findet man auf dem Objektivgehäuse auf einer Skala. Die Beschriftung für die Brennweiten-Einstellung ist in fünf Schritte unterteilt, die anhand eines Strichs in die gewünschte Position eingestellt werden kann (10/12/14/17/20mm).

Für die Nahbereicheinstellung beim Fokus gibt es ein separates Fenster, mit dem sich dann der Abstand zum jeweiligen Objekt einstellen lässt. Der minimale Abstand zu einem Motiv liegt bei diesem Sigma-Objektiv bei 0,24 m. Dies ist in meinen Augen recht ordentlich und lässt viel Spielraum für Experimente. Die Skala geht von den schon erwähnten 0,24 m bis zum Unendlich-Bereich. Die Angaben sind dabei jeweils in Meter und in Fuß angegeben.

Der Fokusring hat bei den minimalen und maximalen Werten einen Anschlag, was ein Durchdrehen nicht möglich macht. Genau dieses ist bei der Nachtfotografie von Vorteil, gerade dann wenn der Sternenhimmel fotografiert wird. Dieses Kriterium hatte mir auch bei dem Canon STM KIT-Objektiv gefehlt. So wurde das Fotografieren bzw. das Fokussieren eher zu einem Glücksspiel. Mit dem Sigma 10-20mm Objektiv lässt es sich präziser bei schlechten Lichtverhältnissen arbeiten.

Das Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC
Das Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC

Das Sigma 10-22mm besitzt eine Innenfokussierung. Dies hat den Vorteil, dass Filter zum Aufschrauben verwendet werden können, ohne dass es zu Problemen mit der Linse kommen kann. Bei einem normalen Fish-Eye-Objektiv, ohne Innenfokussierung, wird diese Problematik recht deutlich. Der Ultraweitwinkel-Bereich erfordert eine bestimmte Linsenkrümmung bzw. -wölbung, die nach außen geht. Dadurch steht die Linse über den Objektivrand hervor. Dies würde dann einen Filter zum Aufschrauben unmöglich machen. Durch die Bauweise der Innenfokussierung wird dieser „Nachteil“ wieder wett gemacht. So kann ein Gewinde zur Verfügung gestellt werden, mit dem sich ein schraubbarer Filter auf das Objektiv montieren lässt.

Alternativ besteht auch die Möglichkeit, einen Filterhalter zu verwenden, den man an das Objektiv montiert. Damit ensteht auch genügend Abstand zur der Linse. Den Vor- und Nachteil der beiden Filtersysteme möchte ich an dieser Stelle nicht weiterführen, sondern weiter auf das Objektiv eingehen. Das Sigma-Objektiv hat einen Filterdurchmesser von 82mm, was mich erst einmal nicht schlecht staunen lies. Im Vergleich zum Tokina und Canon mit jeweils 77mm Durchmesser besitzt das Sigma eindeutig den größeren. Dies hat vielleicht für den einen oder anderen den Nachteil, dass schon vorhandene Filter für diese Objektiv nicht verwendet werden können.

Letztendlich muss doch in den sauren Apfel gebissen werden und in neue Filter investiert werden muss. Für das Sigma-Objektiv habe ich mir gleich noch einen Haida Pro II MC ND3.0 1000x Filter dazu gekauft. Diesen hatte ich schon für das Kit-Objektiv im Einsatz und liegt qualitativ gleichauf mit einem B&W Filter. Zudem ist der Haida-Filter deutlich günstiger, was den Geldbeutel nicht zu sehr bluten lässt.

Auch auf die inneren Werte kommt es an – Die ersten Testbilder des Simga 10-20mm

Bekanntlich sollte man sich nie von Äußerlichkeiten blenden lassen. Denn was bringt es einem, wenn etwas toll ausschaut aber das Innenleben nicht das verspricht, was man eigentlich erwartet hat? Dies kommt leider häufiger im Leben vor. Oftmals heißt es halt doch: Marketing ist alles! Wie das Produkt dann wirklich ist, zeigt sich erst dann bei einem direkten Test. Wie schon geschrieben, sollte das Objektiv ausführlich getestet werden. Das heißt also, wenn ihr ein Objektiv kauft, sollten direkt Testaufnahmen gemacht werden! Geht los und fotografiert alles was geht. Macht Nah- und Fernaufnahmen, fotografiert Bücher, Blumen, Landschaften, Gebäude und vieles mehr. Wichtig ist dabei auch, dass auf alle Fälle verschiedene Kameraeinstellungen probiert werden. Besonders sollte von allen Blenden ein Bild gemacht werden.

Dabei kann ich euch eine Serienaufnahme mit verschiedenen Blendeneinstellungen empfehlen. Fotografiert dann am Besten mit einem Stativ das gleiche Motiv mit den verschiedenen Einstellungen mehrmals. Denn so habt ihr dann einen guten Vergleichswert und könnt später dann die Bilder besser beurteilen. Daheim sollten dann alle Testaufnahmen auf den Rechner geladen werden und die Bilder miteinander verglichen werden. Am PC oder Notebook habt ihr einen größeren Monitor und könnt auch in die Bilder hineinzoomen und Störungen, Verzeichnungen, Unschärfe usw. besser feststellen. Auf dem Display eurer Kamera sieht man dies nicht wirklich gut.

Falls das Objektiv in Ordnung ist, dann Glückwunsch zu dem neuen Objektiv. Wenn nicht, dann tauscht es um oder lasst es vom Hersteller mit eurer Kamera justieren. Ein Umtausch geht in der Regel aber immer etwas schneller und ihr müsst eure Kamera nicht mit einschicken.

Kompromissbereitschaft

Nach einigen Testaufnahmen mit dem Sigma konnte ich auch einige Punkte erkennen, die nicht so optimal waren. Gerade an den Rändern gab es bei 10mm Brennweite Verzeichnungen in der Aufnahme. Rechts unten im Bild (Querformat) sind diese am stärksten. Dass so ein Problem auftreten wird, war mir aber schon vor dem Kauf bekannt und hat mich jetzt auch nicht wirklich überrascht. Bei einer Einstellung von 15mm treten diese Verzeichnungen nicht mehr auf.

Im direkten Vergleich mit dem Canon EF-S 10-18mm 1:4,5-5,6 IS STM Objektiv ist das Sigma aber qualitativ deutlich besser, gerade was die Verzeichnung an den Rändern angeht. Bei APS-C Kameras muss man auch Kompromisse eingehen können. Gerade dann wenn es im Bereich des Weitwinkels geht. Gerade auch dann, wenn dies zu Lasten der Qualität geht. Wer eine höhere Qualität haben will, der sollte auf Vollformat umsatteln. Dort kann man auch für wesentlich mehr Geld hochwertigere Objektive kaufen, bei denen solche „Qualitätsmakel“ nicht unbedingt auftreten. Qualität hat nun einmal ihren Preis.

Abbildungsleistung des Sigma 10-20mm Objektiv

Aber nicht nur die Verzeichnis an den Rändern ist ein Testkriterium sondern auch die Abbildungsleistung, also die Detailtreue und die Schärfe. Für den Test den manuellen Modus einstellen, um die verschiedenen Blenden testen zu können und um eine relative konstante Belichtung bei den Bilder zu erhalten. Für die Blendenreihe wählte ich die Offenblende f/4 danach f/5.6 , f/8 , f/11, f/16 um so ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Das Ergebnis war bei 20mm Brennweite recht eindeutig. Die Detailtreue bei der Offenblende war am schlechtesten, was ein Zoom in das Bild bestätigte.

Die beste Abbildungsleistung erhält man bei der Blendeneinstellung f/8 bis f/11. Wird die Blende noch weiter geschlossen, so können weiter entfernte Objekte noch relativ gut abgebildet werden. Im Vergleich zu Blende f/8 zu f/16 bildete die kleinere Blende die höhere Detailtreue. Eine zu kleine Blende hat auch wiederum einen gravierenden Nachteil. Ab einer Blende von f/16 kommt es schon zu einer Minderung der Abbildungsleistung durch die sogenannte Beugungsunschärfe. Das Licht wird zu stark an der Linse gebrochen, so dass dies zu dieser Unschärfe führt. Dies ist physikalisch bedingt und hat nichts mit der Qualität des Objektives an sich zu tun. Im Ganzen bin ich aber sehr zufrieden mit der Abbildungsleistung des Sigma 10-20mm Objektiv, welches das Canon EF-S 18-55mm Kit-Objektiv im Weitwinkel-Bereich sehr gut ersetzt hat.

Der Autofokus

Der Autofokus funktioniert an einer Canon 70D mit dem Phasenautofokus ohne Probleme. Der Ultraschallmotor ist leise und hatte bislang noch keine Aussetzer. Allgemein habe ich mir aber angewöhnt, öfters manuell zu fotografieren. Denn so ist man nicht nur präziser, sondern man kann auch den Fokuspunkt selbst bestimmen ohne aufwändig an der Kamera einstellen zu müssen. Nur wenn es schnell gehen muss oder ich kein Stativ dabei habe, setzte ich bei der Landschaftsfotografie auf den Autofokus. Wie schon geschrieben lässt sich der Fokusring an diesem Ring sehr gut bedienen und auch präzise fokussieren. Wie sich dies alles noch im Praxiseinsatz verhalten wird, zeigt sich dann später.

Über Chromatische Aberration, Flares und Ghostings

Die Chromatische Aberrationen tritt oft bei günstigen Objektiven und bei weit geöffneten Blenden im Gegenlicht gerne auf. Bei dem Sigma-Objektiv hielt sich das bei meinen Testaufnahmen in Grenzen. Ab und zu traten zwar die Farbsäume bei einer Blende von f/3.5 auf, aber mittels RAW-Konverter und der Option, die Chromatische Aberration zu entfernen, war dies alles kein großes Thema. Auch hier konnte ich einen Vergleich zu dem Canon EF-S 10-18mm 1:4,5-5,6 IS STM machen, das eindeutig stärkere Farbsäume im Bild erzeugte als das Objektiv von Sigma. Man sollte aber jetzt auch bedenken, dass die Aufnahme mit dem Canon-Objektiv eine andere Aufnahmesituation war und es keinen direkten Vergleich mit zwei identischen Aufnahmen gibt. Daher kann ich das ganze nur pauschal sagen, dass das Sigma im Bereich der Chromatischen Aberration deutlich besser abschneidet. Weitere Tests in Zukunft werden dann mehr Aufschluss geben, wie sich das Sigma in diesem Bereich schlägt. Bis jetzt gibt es jedoch nichts zu beanstanden.

Am Anfang habe ich ja schon erwähnt, dass Flares und Ghosting bei dem Tokina ein großes Problem bei Gegenlicht sind. Daher sprach ich mich auch gegen dieses Objektiv aus. Bei dem Sigma sollte dieses Problem nicht vorhanden sein bzw. wenn, dann kaum. Bei jedem Gegenlicht kann es zu Störungen kommen, je nach Winkel zur Sonne oder wie unsauber die Linse ist. Bis jetzt hatte ich nur einen Ghosting im Bild, als ich ein direkte Gegenlichtaufnahme gemacht habe. Ansonsten konnte ich nicht weiteres feststellen. Also eignet sich das Sigma-Objektiv sehr gut für Gegenlichtaufnahmen in der Landschaftsfotografie. So sollten Sonnenaufgänge oder -untergänge auch kein Problem darstellen, aber dies muss ich selbst noch testen, wie sich das Objektiv in diesem Bereich schlägt.

Das Fazit zum Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC

Letztendlich kann ich sagen, dass ich mich nach langer Suche für das richtige Objektiv entschieden habe. Die Suche nach einem geeigneten Weitwinkel-Objektiv ist aber nicht die einfachste, gerade dann wenn es um ein APS-C Format geht. Entscheidet man sich für eines der Zoom-Objektive, bei denen die meisten nur einen maximalen Weitwinkelbereich von 18mm abdecken, so erhält man im Endeffekt nur einen tatsächlichen Bereich von 28,8mm(kb). Geht es darum, einen größeren Bereich unter den 18mm abdecken zu können, so muss nach Ultraweitwinkel-Objektiven (UWW) geschaut werden. Dort gibt es die Wahl zwischen Fischaugen, die eine Brennweite von z.B 8mm abdecken oder man entscheidet sich für die hier genannten Canon-, Sigma-, Tokina- oder Tamron-Objektive, die ab einer Brennweite von 10mm beginnen.

Fischaugen sind doch recht speziell und meiner Meinung nach mehr eher für künstlerische Experimente oder 360° Aufnahmen gedacht. Wer mehr im Bereich der Landschaftsfotografie tätig ist, der benötigt eher ein Objektiv, welches nicht zu sehr verzerrt. Es sollte also einen Kompromiss zwischen einer guten Abbildungsleistung und einem größeren Bildwinkel bieten. Die 10mm Brennweite sind soweit ausreichend, da deutlich mehr abgebildet werden kann als mit den 18mm. Ein Blick auf das Portfolio der verschiedenen Hersteller ergibt nicht wirklich viele Alternativen. Die vier oben genannten Anbieter bieten als einzige speziell für APS-C Sensoren optimierte Objektive an, die einen Bereich von 10-22mm abdecken. Wird dies auf das Kleinbildformat umrechnet, so entsprechen 10mm umgerechnet 16mm Brennweite (bei Canon-Kameras ist der Cropfaktor 1.6).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Suche nach einem geeigneten Objektiv sich dann doch intensiver gestaltet als gedacht. Für mich persönlich war das Tokina 11-16 immer der Favorit. Dies habe ich dann doch sehr schnell verworfen, nachdem ich die ganzen Flares und Ghosts, die das Objektiv bei Gegenlicht erzeugt, in einem Video gesehen hatte. Das Canon EF-S 10-18mm 1:4,5-5,6 IS STM konnte ich ja selber testen und war mit der Abbildungsleistung überhaupt nicht zufrieden.

Das Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC hatte mich dann doch überzeugen können. Es ist wesentlich günstiger als das Tokina und das Canon EF-S 10-22mm 1:3,5-4,5 USM Objektiv. Es hat im Vergleich zu dem Tokina zwar eine 1/3 kleinere Anfangsblende (oder Offenblende) von f/2.8 (also lichtstärker) aber dafür produziert es bei Gegenlicht massive Bildstörungen. Das Canon-Objektiv hat bei 10mm die selbe Blendengröße wie das Sigma, aber dafür keine durchgehende Blendenzahl. Über die Abbildungsleistung kann ich leider selbst nichts sagen, da ich nur Bilder im Internet als Vergleichsreferenz gesehen hatte. Meiner persönlichen Meinung nach würde ich schon behaupten, dass die Abbildungsleistung dieser drei Objektive ungefähr gleichauf liegen. Ein ausschlaggebendes Argument war letztendlich doch der Preis. Das Sigma 10-20 mm F3,5 EX DC kostete bei meinem Kauf gute 100€ weniger als das Tokina und das Canon-Objektiv ist ja nochmals etwas teurer.

Wirtschaftlich gesehen bekommt man die gleiche Qualität bzw. sogar eine bessere für einen günstigeren Preis, wenn man sich für das Sigma entscheidet. Es gibt sicherlich die einen Pros und Contras, wenn die drei Objektive direkt miteinander verglichen werden. Bei dem Kauf eines Objektives muss jeder sich im Klaren sein, dass im Bereich der Fotografie Qualität ihren Preis hat. Für jeden normalen Fotografen und Fotografiebegeisterten findet sich immer seine bevorzugte Linse. Meine Entscheidung, das Sigma-Objektiv zu kaufen, war definitiv nicht falsch und ich habe einen guten Weitwinkel-Ersatz und kann das STM Kit nun rein für das Filmen verwenden. Denn dort liefert es recht gute Ergebnisse.

+ Gutes Preisleistungsverhältnis

+  Gute Ausstattung

+ großer Weitwinkelbereich für ASP-C

+ kaum Chromatisch Aberrationen bei

 

 Verzeichnis an den Rändern

 Abbildungsleistung bei unterschiedlichen Blendeneinstellung kann variieren

 leichte Flares und Ghostings-Bildung bei direktem Gegenlicht

 weniger zum Filmen geeignet

Nachtrag

Nachdem ich das Objektiv noch ein weiteres halbes Jahr testen konnte, kann ich noch ergänzend sagen, dass das Sigma 10-20mm-F3,5 EX DC HSM für folgenden Einsatz in der Naturfotografie sehr gut geeignet ist:

  • Milchstraßenfotografie
  • Panorama-Aufnahmen (Zylindrisch)
  • 360° Panorama-Aufnahmen
  • Langzeitbelichtung
  • Timelapse
  • extreme Nahaufnahmen

Natürlich kann das Sigma 10-20mm auch für andere Dinge wie zum Beispiel für die Bereiche Architektur oder Personengruppen (z.B. Hochzeitsfotografie) verwendet werden. Aber dies sind ja nicht die Bereiche, die wir hier abdecken. Persönlich bin ich recht zufrieden mit der Linse. Gerade bei 360° Panorama-Aufnahmen konnte ich nach einigen Versuche recht gute Aufnahmen erstellen. Den Kauf habe ich definitiv nicht bereut. Einzig bei der Milchstraßenfotografie wäre mir eine größere Blende wie F2,8 statt den vorhanden F3,5 etwas lieber. Aber dies wäre jetzt auch nur Jammern auf hohen Niveau.

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Verfassen Sie den ersten Kommentar