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Stacking Bild von der zunehmenden Mondphase

Mond-Videografie oder Mond-Fotografie?

Wer sich mit der Mondfotografie schon beschäftigt hat, oder unsere Seite kennt, der weiß sicherlich was das Stacking Verfahren bedeutet. Bei dem Stacking wird eine Serienaufnahme zu einem einzelnen Bild verrechnet um so die Bildqualität zu steigern. Doch stellt sich die Frage, ob eine Filmsequenz mehr Vorteile bringt als eine Bilderfolge die hintereinander aufgenommen werden. Dieses habe ich einmal näher betrachtet und bin auch zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen.

Es gibt ja bei uns schon einen Beitrag über das Thema Stacking und Mondfotografie. Dort wurde beschrieben, wie mit einer Reihe von Einzelaufnahmen und dem Programm Fitswork qualitativ hochwertigere Aufnahmen erstellt werden. Bei der Aufnahme-Technik gibt es aber doch einen kleinen Haken. Denn bei jeder Auslösung verschleißt die Kamera, sprich diese altert immer mehr.

Verschleißende Hardware führt zu Problemen

Spiegelreflex Kameras haben, je nach Hersteller, eine „Altersgrenze“ um die 60.000 bis 90.000 Auslösungen. Dies ist sozusagen der Punkt bei dem die Hardware (wie zum Beispiel Auslöser oder die Spiegelmechanik) anfangen kann nicht mehr hundertprozentig zu funktionieren. An dieser Stelle muss noch gesagt werden, dass es sich um einen durchschnittlichen Wert handelt. Es gibt auch Kameras die deutlich mehr Auslösungen oder auch weniger aushalten. Bei den Systemkameras (spiegellosen) Kameras, kaum noch mechanische Bauteile verbaut haben, verhält sich dieses etwas anders. Bei Canon zum Beispiel, sollen Systemkameras ohne Probleme bis zu 200.000 Auslösungen aushalten. Also ein deutlich höherer Wert als bei DSLR Kameras. Dieser kann auch sicherlich auch auf andere Hersteller und ihre Kameras übertragen werden.

Der Grund dürfte ist auch schnell erklärt. In Systemkameras, also Spiegellosen Kameras, sind so gut wie keine mechanischen Bauteile vorhanden. Aber auch elektronische Bauteile verschleißen und halten keine Ewigkeit. Wer also öfters Stacking Aufnahmen macht, so kommen dann doch einige Auslösungen zusammen. Um so einen Verschleiß allgemein zu verringern, gibt es eine Lösung trotzdem eine Stacking Aufnahme zu erstellen.

Filmen statt Fotografieren

Um das Ganze abzukürzen und nicht ewig auszuholen, mit einer Video Aufnahme könnt ihr ebenso ein Stacking-Bild erstellen. Einen Film zu erstellen hat den Vorteil, dass mit einer Sekunde mehr Bilder aufgenommen werden als bei einer Serienaufnahme. Videos können je nach Hersteller Modell zum Beispiel mit 25 fps (Frame per Second also Bilder pro Sekunde) aufgenommen werden. Natürlich gibt es, auch noch höherer Werte wie zum Beispiel 60 fps aber dies hängt von der jeweiligen Kamera ab, die verwendet wird.

Bleiben wir mal bei dem Beispiel mit den 25 fps. Mit einer Sekunde Film können also 25 Einzelaufnahmen extrahiert werden. Dies ist deutlich mehr als wenn ihr eine Reihenaufnahme beim Fotografieren erstellt. Das heißt ihr könnt 1500 Einzelaufnahmen bei einer Minute Film erhalten, ohne den Auslöser 1500 mal drücken bzw. ausgelöst zu müssen Auch die Qualität des Videos sollte stimmen. Um gute Einzelbilder aus der Video Sequenz zu extrahieren so sollte die Video Aufnahme mindestens in Full-HD, besser in 4k, erstellt werden. So besitzt ihr auch für das spätere zusammengerechnete Bild noch genügend Spielraum zum nachbearbeiten.

Natürlich muss beim filmen noch stärker darauf geachtet werden, dass es zu keinen Erschütterungen während der Aufnahme kommt. Selbst ein kleiner Windhauch kann schon einen Teil der Aufnahme unbrauchbar machen. Daher ist der Gebrauch eines geeigneten und vor allem stabiles Stativs unabdingbar.

Andere Software gleiches Ergebnis

Der Unterschied, ob nun ein Stacking Bild mittels Einzelaufnahmen oder einer Videosequenz erstellt wird, liegt im Prinzip allein an der Software. Fitswork, welches wir schon in einem Beitrag vorgestellt wurde, kann nur einzelne Aufnahmen verrechnen. Daher wird ein anderes Programm benötigt, welches aus der Videosequenz Einzelaufnahmen erstellt und diese dann zu einem Bild verrechnet.

Aufnahme vom Mond mit dem goldenen Henkel mit Autostakkert! verrechnet und mit Camera RAW bearbeitet
Aufnahme vom goldenen Henkel

Ein Programm, welches wirklich gute Ergebnisse leistet heißt AutoStakkert! vom Emil Kraaikamp. Die aktuelle Software Version 3 ist von 2018, aber im August letzten Jahres ist schon die neuere Version 4 angekündigt worden. Diese dürfte wohl irgendwann dieses Jahr veröffentlicht werden. Trotzdem kann mit der Version 3 ohne Probleme gearbeitet werden.

Am Anfang scheint die Software etwas kompliziert zu wirken und fühlt sich mit den ganzen Begriffen und Abläufen schnell überfordert. Es lohnt sich doch die ganzen Tutorials einmal anzuschauen, um so das Programm kennen zu lernen und zu verstehen. Die erste Hürde wird aber sicherlich das Film Format sein. Denn AS! (Autostakkert) kann keine komprimierten Videofilme verarbeiten. Da viele aktuelle Kameras komprimierte Formate wie das MP4 verwenden, bedeutet dies eine Konvertierung in ein unkomprimiertes Format wie in AVI. Zur Konvertierung des Videoformats wird von Autostakkert! die Software PIPP – Planetary Imaging PreProcessor empfohlen.

Wie dies alles funktioniert und wie AS! verwendet wird, werden wir noch hier bei Naturbildermagazin, in einem separaten Beitrag bzw. Tutorial beschreiben.

Sehr gute Resultate mit Autostakkert!

Keine Frage, die Software liefert sehr gute Ergebnisse und ist für den nicht kommerziellen Gebrauch sogar kostenlos (Freeware). Auch wenn sie am Anfang kompliziert wirkt, mit der Zeit wird das alles verständlicher. Die fertige Stacking-Aufnahme sollte definitiv noch mit einem Bildbearbeitungsprogramm (RAW Entwickler wie zum Beispiel Camera RAW oder Lightroom eigenen sich sehr gut dafür) nachbearbeitet bzw. nachgeschärft werden. Erst dann erhaltet ihr wirklich eine sehr detaillierte Aufnahme von der Mondlandschaft.

Mit Autostakkert! verrechnete Mond Aufnahme mit einer Brennweite von 1428mm
verrechnete Vollmond Aufnahme mit einer Brennweite von 1428mm

Einen gewissen Nachteil gibt es aber bei der Videografie des Mondes. Die einzelnen Bildern werden nur mit einer Punktdichte von 72dpi (dotch per inch) gespeichert. Dies bedeutet doch einen Unterschied zu einer normalen Fotografie, welche in der Regel mit 300dpi (im RAW Format) gespeichert wird. Wer also in JPG aufnimmt, der wird keinen großen Unterschied zwischen der Fotografie und der Filmaufnahme bemerken. Doch trotz der geringen Auflösung bei der Videoaufnahme, gibt es doch keine gravierende Qualitätseinbußen wenn Bilder daraus extrahiert werden. Es entspricht also der Qualität eines JPG Formats.

Einen „kalkulierenden“ Nachteil gibt es noch. Ein Videoaufnahme nimmt mehr Speicherplatz in Anspruch als eine Reihenaufnahme mit 60 bis 100 Fotografien. Daher sollte immer genügend Speicherplatz vorhanden sein. Denn bei einer 4k Aufnahme habt ihr schnell ein paar Gigabyte Festplattenspeicher voll. Daher solltet ihr ihr für die Aufnahmen eine ausreichend große Speicherkarte verwenden, sowie auch eine Festplatte mit genügend Speicherplatz.

Probiert es doch am Besten schon einmal selber aus und nehmt den Mond ca. 1-2 Minuten auf. Mit diesem Wert erhaltet ihr genügend Aufnahmen aus dem Film, um diese dann zu einem Bild verrechnen lassen könnt. Mit ein bisschen Übung und Geduld könnt werdet ihr garantiert tolle Aufnahmen von dem Mond erstellen können. (ru)