3. September 2017 von Reiner Ugele

Ein ND Filter mit einem Filterfaktor 1000

Langzeitbelichtung mit einem ND-Filter

Wer fließendes Wasser weich wirken werden lassen möchte oder am helllichten Tag Menschen aus einer Aufnahme „verschwinden“ lassen will, der kommt an einem ND-Filter nicht vorbei. Das Wort ND steht dabei für neutrale Dichte. Es ist ein Filter, der dafür sorgt, dass der Lichteinfluss in die Kamera vermindert wird. Wenn weniger Licht in die Kamera fällt, so bedeutet dies, dass sich die Belichtungszeit verlängert. In diesem Artikel möchten wir euch die unterschiedlichen Stärken von ND-Filtern vorstellen und ihren Verwendungszweck.

Es gibt verschiedene Stärken von ND-Filtern, die das Licht unterschiedlich durchlassen. Für die Naturfotografie können wir euch drei unterschiedlich starke ND Filter Typen empfehlen. Ein ND 8, ND 64 und ND 1000 Filter reichen in der Regel vollkommen aus, um in der Natur Langzeitbelichtungs-Aufnahmen zu erstellen.

Die Problematik mit den Bezeichnungen

Leider ist es so, dass jeder Hersteller seine eigene Bezeichnung für die ND-Filter besitzt. So müsst ihr immer bei diesen direkt schauen, wie lange der jeweilige ND-Filter die Belichtungszeit verlängert. Dabei spielt die ND-Filter-Stärke eine entscheidende Rolle und darin liegt auch das Problem.

Oftmals ist es so, dass nur Angaben wie ND 8, ND 64 oder ND 1000 vorhanden sind. Bei diesen Zahlen handelt es sich nicht um die Filter-Stärke, wie sehr das Licht geblockt wird, sondern nur um den Verlängerungsfaktor. Daher kann es auch gut sein, dass ein anderer Hersteller eine andere ND-Filter-Stärke als sein Mitbewerber angibt, aber beide diese als ND 64 Filter bewerben. Ist aber die Durchlässigkeit bei einem ND-Filter nun etwas geringer, so kann dies doch zu einer Veränderung des Verlängerungsfaktors führen.

Leider gibt es keine Norm dafür und ihr müsst euch immer an den Angaben des jeweiligen Herstellers orientieren.

Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie sich in der Regel die ND-Filter-Stärke zu ihrer Durchlässigkeit, Blendenstufen und ihrem jeweiligen Verlängerungsfaktor verhält. An diese Angaben halten sich auch die meisten Hersteller.

Was könnt ihr aus dieser Tabelle nun heraus lesen? Die Filter-Stärke von 0.3 ist die geringste ND-Filter-Stärke und 4,0 die höchste in dieser Tabelle. Also, je weiter ihr nach unten in die Tabelle geht, desto weniger Licht lässt der Filter durch und je länger wird die Belichtungszeit. Wenn ihr einen ND-Filter kaufen wollt, so müsst ihr immer auf die ND-Filter-Stärke bzw. auf die Durchlässigkeit und den Verlängerungsfaktor achten.

Die ND-Filter Stärke und der jeweilige Verlängerungsfaktor

ND-Filter StärkeDurchlässigkeitBlendenstufenVerlängerungsfaktor
0,350 %12x
0,625 %24x
0,912,6 %38x
1,26,3 %416x
1,53,1 %532x
1,81,6 %664x
2,01,0 %6,66100x
2,10,8 %7128x
2,40,4 %8256x
2,70,2 %9512x
3,00,1 %101000x
4,00,012 %1310.000x

 

Die Bezeichnungen können doch oftmals verwirrend sein und ein beworbener ND8-Filter ist im Endeffekt doch ein ND-Filter mit der Filter Stärke von 0,9. Dieser ist für eine Langzeitbelichtung nicht wirklich geeignet. Folgendes Beispiel soll euch dies einmal verdeutlichen: Bei einer angenommen Belichtungszeit von 1/200 s verlängert sich die Belichtungszeit, bei dem ND8-Filter, auf 1/25 s  ( 1/200 s * 8 = 1/25 s ). Diese Stopp-Wirkung eignet sich daher nicht, wenn ihr Wasser in die Bewegungsunschärfe verschwimmen lassen wollt.

Wir empfehlen jedem von euch, sich wie oben an der jeweiligen Tabelle des Herstellers zu orientieren. Vergleicht die jeweiligen Filter-Stärken mit der Durchlässigkeit bzw. den Blendenstufen. Wer sich dies alles aber ersparen möchte, der kauft am besten seine Filter von nur einem Hersteller. Auf großen Internet-Handelsplattformen findet ihr genügend Hersteller und Anbieter, die ein Dreierset mit den hier genannten Filtern (ND8x, ND64x, ND1000x) anbieten. Teilweise sind diese Angebote deutlich günstiger, als wenn ihr alle einzeln kaufen würdet.

Welcher ND-Filter wird wann eingesetzt

Es gibt eine grobe Einteilung, an der ihr euch orientieren könnt, wann ihr welchen Filter am besten einsetzt. Der ND 8 ist ja eher das Leichtgewicht unter den ND-Filtern. Diesen könnt ihr immer dann einsetzen, wenn ihr Landschaften fotografieren möchtet. Der Vorteil von diesem Filter ist, dass auf der einen Seite die Verschlusszeit nicht allzu sehr verlängert wird und auf der anderen die Farben und Kontraste deutlicher hevorgehoben und intensiviert werden. Gerade im Herbst, bei sehr vielen unterschiedlichen Farben und Tönen, könnt ihr so der Aufnahme mehr Dynamik hinzufügen.

Der ND 64 ist eher der Allrounder unter den ND-Filtern. Dieser reicht oftmals schon aus, um das Wasser bei einem Wasserfall weichzeichnen zu lassen. Der Einsatz von diesem Filter eignet sich dann, wenn kein helles Tageslicht vorherrscht, d.h. bei Sonnenaufgang oder -untergang, in sehr schattigen Bereichen wie im Wald, in dem es keine direkte Sonneneinstrahlung gibt etc.

Das stärkste Geschütz von den hier genannten Filtern ist der ND 1000 Filter. Dieser kann bei direkten Tageslicht eingesetzt werden, also wenn ihr zum Beispiel ziehende Wolken verschwimmen lassen wollt. Mit diesem ND-Filter lässt sich die längste Belichtungszeit erzielen.

Das Problem mit der Belichtungsmessung

Das schwierigste bei einer Langzeitbelichtung ist die Einstellung der korrekten Belichtungszeit. Das eigentlich Problem ist, dass ihr die Aufnahme mit einem ND-Filter nie korrekt belichten könnt. Schaut doch einmal selber durch so einen ND64x oder ND1000x Filter. So seht ihr, dass dies so nicht gehen kann. Aber es gibt verschiedene Herangehensweisen, wie ihr trotzdem korrekt belichten könnt.

Eine Möglichkeit wäre, dass ihr auf gut Glück einen Wert nehmt und danach schaut ob die Aufnahme korrekt belichtet wurde oder nicht. Dies ist aber eher eine sehr aufwendige Methode und führt definitiv zu keinem schnellen Erfolg. Selbst wenn ihr schon einen Erfahrungswert mit diesen Filtern gesammelt habt, würde es euch in machen Situationen nicht weiterhelfen. Pauschal zu sagen, dass bei einem ND 1000 Filter 2min Belichtungszeit eingestellt werden muss, mag sicherlich zu einen gewissen Teilerfolg führen.

Doch kann es sein, dass manche Stellen über- oder unterbelichtet sind und weit von einer korrekten Belichtung abweichen. Denn jede Landschaft ist anders, wie auch der Lichteinfall. Auch die Tageszeit spielt eine Rolle, wie auch der Ort, wo ihr fotografiert (z.B. im Wald oder auf dem freien Feld). Zudem ist solch ein „Try and Error“-Prinzip nicht wirklich vorteilhaft, denn es frisst einfach viel zu viel von eurer eigenen kostbaren Zeit. Deshalb gibt es noch eine bessere und effektivere Methode.

Die korrekte Belichtungszeit mit einem ND-Filter

Um die Aufnahme nun richtig zu belichten zu können gibt es eine Tabelle mit denen ihr den richtigen Wert einstellen könnt. Wichtig ist dabei, dass ihr zuvor die Aufnahme ohne Filter messt. Die Messung sollte bei einer Blende 9 und ISO 100 erfolgen, um so die höchste Qualität zu erzielen. Auf diese Einstellungen beruhen die Werte der nachfolgenden Belichtungstabelle. Je nachdem welchen Filter ihr verwendet, also 8x, 64x oder 1000x, könnt ihr aus der entsprechenden Tabelle die folgende Werte herauslesen.

Belichtungszeit ohne 8x ND FilterBelichtungszeit mit 8x ND Filter
1/1000 s1/125
1/500 s1/60
1/250 s1/30
1/125 s1/15
1/60 s1/8
1/30 s1/4
1/15 s1/2
1/8 s1 Sekunde
1/4 s2 Sekunden
1/2 s4 Sekunden
1 Sekunde8 Sekunden
2 Sekunden15 Sekunden

 

Belichtungszeit ohne 64x ND FilterBelichtungszeit mit 64x ND Filter
1/1000 s1/15
1/500 s1/8
1/250 s1/4
1/125 s1/2
1/60 s1 Sekunde
1/30 s2 Sekunden
1/15 s4 Sekunden
1/8 s8 Sekunden
1/4 s15 Sekunden
1/2 s30 Sekunden
1 Sekunde1 Minute
2 Sekunden2 Minuten

 

Verschlusszeit ohne 1000x ND FilterVerschlusszeit mit  1000x ND Filter
1/1000 s1 Sekunde
1/500 s2 Sekunden
1/250 s4 Sekunden
1/125 s8 Sekunden
1/60 s15 Sekunden
1/30 s30 Sekunden
1/15 s1 Minute
1/8 s2 Minuten
1/4 s4 Minuten
1/2 s8 Minuten
1 Sekunde16 Minuten

 

Auf der linken Spalte sind die Werte die ihr ohne Filter messt. Auf der rechten sind die Belichtungszeiten, welche ihr dann einstellen müsst, sobald ihr den Filter verwendet. Dieser Wert würde dann einem korrekt belichteten Bild entsprechen.

Um das Ganze noch zu verdeutlichen, möchten wir euch folgendes Rechenbeispiel einmal zeigen: Wir wollen mit einem 1000x ND Filter aufnehmen und messen zuvor (ohne Filter) eine Belichtungszeit von 1/30 Sekunden. Nun müsst ihr auf der linken Tabellenspalte nachsehen, wo dieser Wert steht und geht dann auf die rechte Seite, welcher Belichtungszeit dieser mit Filter entsprechen würde. In unserem Beispiel wäre das bei einem ND1000x Filter eine Belichtungszeit von 30 Sekunden, die ihr dann mit aufgeschraubten Filter einstellen müsst.

Im Grunde ist das Ganze recht einfach gehalten.  Ihr müsst nur die gemessene Belichtungszeit mit dem angegebenen Verlängerungsfaktor eures Filters multiplizieren. So erhaltet ihr immer die korrekte Belichtungszeit, wenn ihr mit dem jeweiligen ND-Filter fotografiert. Dies könnt ihr immer dann anwenden, wenn ihr andere Werte habt, als die auf der oben genannten Tabelle.

Druckt euch am besten diese Tabelle einmal aus oder schaut nach einer App, die diese Tabelle schon mit intigriert hat. Diese sollte auf alle Fälle griffbereit sein, um so schnell den richtige Belichtungszeit einstellen zu können.

Langzeitbelichtung am Wasserfall mit ND-Filter Haida 3 ND 1000x Filter
Langzeitbelichtung am Wasserfall mit ND-Filter Haida 3 ND 1000x Filter

Wichtige Dinge zum Fotografieren mit einem ND-Filter

Ein Punkt, welche noch angesprochen gehört ist die Qualität und Güte von ND-Filtern. Im Internet gibt es viele günstige Filter zu kaufen. Aber von diesen können wir jedem nur davon abraten. Grund dafür ist, dass diese Filter keine gute Qualität abliefern. Ihr müsst bei Filtern schon etwas tiefer in die Tasche greifen oder besser gesagt spart lieber etwas länger auf einen guten ND-Filter. Es lohnt sich auf alle Fälle.

Es gibt ja zwei verschiedene Systeme zur Montage der Filter. Eine Version wird auf das Gewinde des Objektivs geschraubt. Die andere alternative Version ist ein ein Stecksystem bzw. eine Halterung. Dabei sind die Filter separate Platten, die in diese Halterung hinein geschoben werden.

Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Filterplatten sind immer etwas teurer als die Filter zum schrauben. Zudem ist bei dem Schraubssystem immer die Gefahr da, dass ihr an den Fokusring des Objektiv heran kommt und so den Fokus verstellt. Welches ihr nun verwendet, ist eure eigene Entscheidung. Ihr könnt auch beide System verwenden und miteinander kombinieren, wie zum Beispiel ein schraubbarer ND-Filter mit einer Verlaufsfilter-Platte.

Natürlich sollte auch noch die Ausrüstung angesprochen werden, um mit ND-Filtern fotografieren zu können. Wichtig ist ein gutes und vor allem ein stabiles Stativ zu verwenden und einen programmierbaren Kabelauslöser. Mit diesem könnt ihr dann Belichtungszeiten einstellen, die länger als 30 Sekunden dauern. Die 30 Sekunden ist bei vielen Kameras die maximale Belichtungszeit. Daher könnt ihr diesen programmierbaren Kabelauslöser im Bulb-Modus eurer Kamera verwenden, um so Belichtungszeiten über 30 Sekunden zu erreichen.

Ein wichtiger Hinweis zu ND-Filtern

Einen wichtigen Hinweis möchten wir euch noch zum Schluss geben. Mit einem ND-Filter könnt ihr nicht die Sonne und ihre Flecken fotografieren! Auch für eine Sonnenfinsternis reichen diese Filter nicht aus! Ihr braucht dafür spezielle Sonnenfilter, denn ansonsten riskiert ihr Schäden an eurer Kamera oder am Objektiv.

ND-Filter sollten in jede Ausrüstung eines Landschaftsfotografen gehören. Wer es noch nicht ausprobiert hat, der ist ja nun sehr gut dafür gewappnet. Wir wünschen euch gutes Licht und viele tolle Aufnahmen!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Verfassen Sie den ersten Kommentar