20. März 2017 von Reiner Ugele

Beitragsbild Kolumne Kameratechnik

Kolumne: Kameratechnik, warum hinkst du hinterher?

Eine Frage, die ich mir schon recht früh stellte als ich mit dem Fotografieren begonnen hatte, war, warum die Technik bzw. warum die Kamerahersteller nicht mit dem „Zahn der Zeit“ gehen? Als Wirtschaftsinformatiker und langjähriger, technik-affiner Mensch kenne ich mich in diesem Bereich der Technik (auch im Bereich der Computer-Hardware) recht gut aus. Beide zwei Welten,  die digitale Kameratechnik mit der Personal Computer (PC)-Welt, sind doch miteinander verbunden. Denn ohne einen PC können die Bilder von der Kamera nicht übertragen, bearbeitet und gesichert werden. Es besteht also (noch) eine Art quasi Zweckverbindung, von der jeder Fotograf irgendwie abhängig ist.

Die Technik entwickelt sich immer schneller und vor allem auch weiter. In den letzten 20 oder sogar 30 Jahren hat die ganze Computertechnik einen gewaltigen Fortschritt gemacht. Auch die ganzen Speichermedien und immer schnelleren Übertragungsraten tragen mit dazu bei, die ganze Datenflut die immer mehr anfällt, zu bewältigen. Auch die digitale Kameratechnik unterliegt seit nun gut 10 Jahren diesem stetigen Fortschritt. Immer neuere und bessere Kameras, die mehr Pixel (Bildpunkte) speichern können, erscheinen auf dem Markt. So steigt der Speicherplatzbedarf der unkomprimierten Bilder, mit fast jedem neuen Modell, stetig an.

Doch wer einmal genauer hinschaut, der merkt vielleicht, dass mancher Kamerahersteller bei der technischen Ausstattung dem Fortschritt doch etwas hinterher hinkt. In der PC Welt hat sich zum Beispiel der USB 3.0 bzw. der schnellere 3.1 Standard  etabliert. Es gibt kaum noch ein Gerät in dem dieser Übertragungsstandard nicht verbaut ist. Aber bis heute bieten einige Hersteller immer noch den veralteten und langsamen Übertragungsstandard 2.0 an. Diese sind aber eher noch alte, günstige Restposten, um wohl eher Lagerbestände abzubauen.

Mit dem USB 2.0 wird heute keiner mehr glücklich. Wer einmal einen Full HD-Film von 30 Minuten Länge übertragen hat oder eine volle 32 GB-Speicherkarte, der weiß wie langsam diese Übertragung sein kann. Natürlich kann dies nicht mittels einem Card Reader beschleunigt werden bzw. dieser Geschwindigkeitsnachteil somit kompensiert werden. Doch besteht die Gefahr, dass die SD-Karte durch das ständige rein und raus beschädigt wird bzw. irgendwann die Arretierungsfeder einmal versagen kann. Bis jetzt ist das bei mir noch nie vorgekommen, aber es soll doch zeigen, was im einem extrem Fall passieren könnte.

Genau darin liegt das eigentliche Problem der Kamerahersteller. Sie kommen mit den neueren Standards nicht wirklich hinterher, um diese auch in die Kamera mit implementieren zu können. Selbst dann nicht, wenn es diesen schon länger gibt. Die Frage, warum dies so ist, kann ich leider nicht beantworten. Vielleicht hat ein Praktikant einmal zu viele USB 2.0 Controller-Platinen bestellt und jetzt müssen sie noch jahrelang die Bestände abbauen? Natürlich war dies jetzt nicht wirklich ernst gemeint. Es ist leider nur schade, dass mancher Hersteller nicht mit der Zeit geht und gleich USB 3.1 bzw. USB C verbauen könnte. Dies wäre dann wirklich einmal „State of the Art“.

Bei USB 3.1 besteht zu einem der Vorteil, dass dieser abwärtskompatibel ist und diesen auch noch Personen genutzt werden kann, die noch einen älteren Rechner besitzen. Bei dem USB-C Standard ist es vorteilhaft, dass bei einer Verbindung mit dem PC der Akku der Kamera mit geladen werden kann. Achja, für die, die es interessiert: USB 3.1 und USB-C sind zwei verschiedene Standards, die gleichzeitig entwickelt worden sind. Bei dem USB-C liegt der Schwerpunkt mehr bei den mobilen Geräten und der UBS 3.1 findet sich eher bei der Peripherie der Computer-Hardware wieder.

Es gibt also zwei potentielle Übertragungsstandards, die das Leben bei der Datenübertragung wesentlich einfach machen würden (Thunderbolt mal ausgenommen). Was gibt es aber nun? WLAN ist eine Technik, die wirklich recht sinnvoll ist. Diese Technik bietet moderate Übertragungsgeschwindigkeit, doch hat sie einen Haken: Das Anmelden der Kamera ist oftmals etwas umständlich und geht bis dahin, dass sie gar nicht erkannt wird. Sagen wir es einmal so: Diese Technik hat oftmals ihre Tücken. Zumindest ging das mir so, als ich mein Smartphone mit der Kamera zwecks Fernsteuerung verbinden wollte. Auch wenn ich persönlich Wlan für gut empfinde, braucht es doch mehrere Schritte, bis die Kamera im Netz angemeldet ist. Danach müssen die Daten von der Speicherkarte auf den Computer übertragen werden. Ein Schritt der ziemlich zeitintensiv ist.

Eine weitere Technik, die von manchen Hersteller in die aktuellen Kameras verbaut wird, ist Bluetooth. Diese Technik dürfte jedem Smartphone- und Handy-Besitzer ein Begriff sein. Es ist ein etablierter Übertragungs- und Verbindungsstandard, der aber nicht gerade der schnellste ist. Im Prinzip geht es bei dieser Technik wohl auch eher darum, dass die Kamera mit dem Smartphone oder Tablet verbunden werden kann.  Der Trend geht immer auch eindeutig dazu hin, dass die gemachten Aufnahmen gleich dort bearbeiten werden können. Für den Heimrechner bzw. Arbeitsrechner besitzt die Bluetooth-Technik keinen Vorteil. Es wird ein spezielles Modul für die Verbindung benötigt. Also ist diese Funkübertragung nicht wesentlich besser als zum Beispiel das WLAN bzw. eher langsamer.

Bei den hier genannten Techniken USB, WLAN und Bluetooth kommt es auch immer darauf an, welche Technik verarbeitet wurde. Ältere Techniken wie USB 2.0 oder Wlan 802.11 a bieten auch keinen wirklichen Vorteil bei der Datenübertragung. Also warum auf eine alte Technik setzen, wenn es schon eine neuere, bessere und etablierte Technik gibt?

Mir persönlich kommt es so vor, dass die Hersteller viel herumprobieren aber es wirklich nicht schaffen, den allgemeinen, breiten Consumer-Markt zu berücksichtigen. Natürlich kann jetzt viel spekuliert werden –  Wieso?  Weshalb?  Warum?  Im Endeffekt sind es doch Management-Entscheidungen, die so mancher Konsument nicht nachvollziehen kann. Gerade wenn neue Kameras vorgestellt werden, gibt es immer ein paar „Features“, die toll sind und auch wirklich begeistern. Doch die Details sind es dann, die diese Stimmung immer wieder trüben. Es ist meistens wie „Nice to have“, also „Ja, wäre schon toll, wenn die Kamera dies und das hätte, aber…“.

So stelle ich mir immer wieder die Frage, ob die Kamerahersteller am breiten Kundenspektrum vorbei entwickeln, sie nicht auf ihre Kunden hören wollen oder einfach ein falsches Bild von ihnen besitzen. Zum Glück gibt es immer wieder einen Hersteller, welcher etwas innovativer ist und auch solche Zusatzfeatures bietet. Aber nicht jeder kann jedes Jahr oder alle zwei Jahre komplett auf ein neues System wechseln. Da beißt (leider) jeder doch lieber in den sauren Apfel und nutzt zähneknirschend einen funktionierenden Workaround wie zum Beispiel einen USB 3.1 Kartenleser. Frei nach dem Motto: „Warum einfach wenn es kompliziert geht“. Es kann nur gehofft werden, dass manch ein Kamerahersteller es auch einmal schafft, seine derzeitigen Modelle auf den aktuellen Stand der Technik halten zu können. Irgendwann einmal in ferner Zukunft.

In diesem Sinne: Möge die Macht mit euch sein um manchen Kamerahersteller endlich einmal aus seinem Dornröschenschlaf zu wecken.


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