3. Juni 2016 von Matthias Gröner

Feuersalamander

Feuersalamander

Feuersalamander mit Einbindung des Habitats.
Feuersalamander mit Einbindung des Habitats.

Das Naturschutzgebiet Köpfertal ist u.a. ein wichtiger Faktor zum Erhalt von z.T. selten gewordenen Tieren. Es liegt innerhalb des Stadtgebiets im Südosten von Heilbronn. Durch die relativ schnelle Erreichbarkeit bin ich dort recht oft früh morgens oder abends unterwegs, wenn die Fauna sozusagen aufblüht. Zu anderen Zeiten ist es meist zu überfüllt von Spaziergängern, Joggern und Radfahrern; dementsprechend laut ist es dann zuweilen auch. Zusätzlich gibt es noch eine Schießanlage, die meiner Meinung nach nicht unbedingt in einem Schutzgebiet sein müsste. Wenn dort geschossen wird, kann man das NSG als „Ruheoase“ eigentlich komplett streichen. Hake ich aber hiermit ab unter „gesellschaftlich geduldeter Krawall“.
Trotz all dieser „Widrigkeiten“ hat man hier einen schönen Einblick in die Welt von Schwarzspecht, Hirschkäfer, Eichhörnchen und Reh um nur einige zu nennen. Am Köpferstausee kann man ab und an den Eisvogel sehen und Ringelnattern beim Sonnenbad beobachten sowie die Paarung der Erdkröten aus nächster Nähe miterleben. In der Dämmerung gehen Fledermäuse auf die Jagd und auch den Ruf des Waldkauzes kann man zuweilen vernehmen oder ihn mit etwas Glück auch zu Gesicht bekommen. In den angrenzenden Gebieten singt im Frühjahr gelegentlich der Pirol, der Grünspecht sucht auf den Wiesen nach Nahrung und auch den Fuchs kann man ebenfalls hin und wieder entdecken.
Einer der Bewohner dieses Gebiets hat es mir persönlich aber besonders angetan. Glücklicherweise gibt es diese Art hier noch recht oft, obwohl er auch bundesweit als „nicht gefährdet“ gilt. Jeder kennt „Lurchi“ von der bekannten Schuhmarke Salamander; die wenigsten haben aber wahrscheinlich jemals einen Feuersalamander in seinem Habitat gesehen. Seinen Namen verdankt der Salamander übrigens dem Aberglauben, er würde Feuer überleben und sein Hautsekret könne Glut löschen. Im Mittelalter war man sich sicher, ein Hauch seines Atems könne Menschen töten. Aus ihren auffälligen Ohrdrüsen und den Rückendrüsen können sie aber tatsächlich ein Gift abgeben, welches für eventuelle Fressfeinde tödlich wirken oder zumindest gefährlich werden kann – auch für Hauskatzen oder Hunde. Darüberhinaus schützen sich die Tiere damit vor Infektionen. Das Muster auf dem Rücken der Salamander dient zusätzlich als Warnung und Abwehr von Feinden.

Eine Larve des Feuersalamanders.
Eine Larve des Feuersalamanders.

Kühle Fließgewässer sind hervorragend für die Geburt der Salamanderlarven geeignet. Feuersalamander laichen nicht, sondern sind lebendgebährend (ovovivipar bzw. larvipar) – die Paarung erfolgt an Land, die Eientwicklung erfolgt im Mutterleib. Das kann man an geeigneten Stellen sehr gut verfolgen, vorausgesetzt man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Im April und Mai stehen die Chancen am frühen Morgen nach einer regnerischen Nacht bzw. auch tagsüber bei Regen sehr hoch, dass einem im Bereich eines Bachs eines dieser wunderschönen, ca. 18 cm großen Tiere über den Weg läuft. Oft habe ich sie auch direkt im Wasser sitzend vorgefunden, um den Fortbestand der Art zu sichern. Bis zu 70 kiementragende Larven setzen die Weibchen ins Wasser ab. Diese sind ca. 3 cm groß und man erkennt sie auch schon relativ gut als Salamander.

Variationen im Aussehen

Zum Aussehen muss man prinzipiell nicht viele Worte verlieren. Ein paar Besonderheiten gibt es dennoch: die Färbung kann variieren, so gibt es von fast schwarzen Individuen, die dem kleineren Alpensalamander ähneln, auch Exemplare, die statt einer gelben Zeichnung eine rötlich/orangefarbene haben.
Gut unterscheiden kann man zudem die zwei Unterarten: Zum einen gibt es den gebänderten Feuersalamander (Salamandra salamandra terrestris), bei dem die Zeichnung in zwei parallel laufenden Linien am Rücken verläuft. Diese Linien sind manchmal besonders stark ausgeprägt, manchmal auch eher fleckig, aber trotzdem als gebändert zu erkennen. Diese Unterart ist auch hier in der Gegend komplett dominierend. Auf der anderen Seite gibt es den klassisch gefleckte Salamander (Salamandra salamandra salamandra), welcher einfach ein unregelmäßig fleckiges Muster besitzt und im Normalfall auch etwas kleiner als die gebänderte Unterart ist. In den letzten Jahren konnte ich lediglich ein einziges geflecktes Exemplar im NSG sichten. Man kann die Tiere übrigens anhand der Zeichnung immer wieder erkennen, ähnlich einem menschlichen Fingerabdruck oder dem Nasenabdruck eines Hundes.

Ein paar Tipps zum Fotografieren der Tiere

Sie sind hauptsächlich nachtaktiv.
Sie sind hauptsächlich nachtaktiv.

Beim Fotografieren dieser Tiere sollte man sich auf jeden Fall nicht davor scheuen, nasse Füße zu bekommen oder mit einer ziemlich dreckigen Bekleidung nach Hause zu kommen.
Außerhalb der Laichzeit sind die Tiere eher nicht am Wasser anzutreffen, sondern am Waldboden, wo sie auch ihre Nahrung in Form von Nacktschnecken, Asseln, Käfern, Spinnen oder Regenwürmer aufnehmen. Da sie aber überwiegend bzw. eigentlich ausschließlich nachtaktiv sind, gestaltet sich eine Suche doch manches Mal schwierig. Wie oben erwähnt steigen die Chancen nach Regenfällen, eine 100-prozentige Gewissheit gibt es aber natürlich nie. Ich habe auch schon das beste Salamander-Wetter genutzt und habe an Stellen, wo ich tags zuvor bei eher schlechtem Salamander-Wetter noch etliche Exemplare gefunden habe, keinen einzigen entdecken können.

Zum Fotografieren dieser Amphibien nutze ich größtenteils das Canon EF 100mm 2,8 L IS USM Macro-Objektiv. Da die Stellen im Wald oftmals nicht gerade lichtdurchflutet sind, hilft die Lichtstärke dieses Objektivs enorm. Zudem ist die Abbildungsleistung hervorragend. Die ISO-Zahl versucht man natürlich möglichst niedrig zu halten – da die Tiere aber oftmals erst bei Dämmerung ihre Verstecke verlassen, ist man auch mal gezwungen, die ISO-Zahl auf 800 bis 1600 zu stellen. Blitzlicht möchte ich ungern einsetzen, da dies nur zusätzlichen Stress für die Tiere bedeutet. Ich habe des nachts dafür hin und wieder die schwache Einstellung der Taschenlampe verwendet, um ein klein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Feuersalamander frontal.
Feuersalamander frontal.

Sehr gerne lichte ich die Feuersalamander auch mit ihrem Lebensraum ab. Ich liebe solche Habitatbilder einfach, wenn man einen kleinen Einblick in ihr Reich bekommt. Dazu verwende ich bisher das olle Kit-Objektiv EF-S 18-55mm 3,5-5,6 IS. Wenn das dann mal ins Wasser plumpsen würde, fände ich das auch nicht so tragisch. Neue Gerätschaften sind aber dennoch in Aussicht.
Wie kann ich den Salamander schön abbilden? Nun, dazu gibt es wohl keine perfekte Anleitung. Man sollte sich aber möglichst auf Augenhöhe mit dem Tier befinden. Spannend finde ich persönlich auch eine leicht schräge Sicht von unten und die Einbeziehung des Lebensraums. Direkt von oben, wie es der gemeine Handyfotograf wohl machen würde, ist in den meisten Fällen eher unpassend. Interessant kann es aber durchaus werden, wenn sich ein Exemplar auf einem fotogenen Untergrund befindet und sich mit seiner kontrastreichen Färbung abhebt. Allgemein habe ich von oben aber nur die Zeichnung der einzelnen Exemplare dokumentiert.

Für mich ist es jedes Jahr aufs Neue faszinierend, wenn die Tiere langsam aus ihren Winterverstecken gekrochen kommen und sich zuweilen in großer Anzahl wieder im NSG tummeln. Ich hoffe, dass dieses Ereignisse uns noch viele viele Jahrzehnte erhalten bleibt. Würde mir dieser Farbklecks doch irgendwie fehlen, wenn er aus unserer heimischen Natur verschwinden würde. Bedenkt man die drastischen Bestandseinbrüche aufgrund des Hautpilzes Batrachochytrium salamandrivorans, der die Tiere in den Niederlanden und Belgien massenhaft vernichtet hat. Auch hierzulande gab es schon viele Funde von infizierten Salamandern.

Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) hat den Feuersalamander zum Lurch des Jahres 2016 ernannt. Auf diese Weise wird eine der auffälligsten und in Europa weit verbreiteten Amphibienarten in den Fokus des Arten- und Naturschutzes gerückt.

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