3. September 2016 von Reiner Ugele

Der Hebstwald

Fotografieren im Herbst

Am 22. September heißt es nun endgültig Abschied vom Sommer zu nehmen und den Herbst zu begrüßen. Denn zu diesem Zeitpunkt beginnt der kalendarische Herbstanfang. Der Herbst ist eine für Naturfotografen spannende Jahreszeit. Ja, dies würde ich jetzt einfach mal so behaupten. Diese Jahreszeit hat doch mehr an (abwechlungsreichen) Motive zu bieten als all die anderen. Die verfärbten Blätter der Bäume und Sträucher, Nebel, weicheres Licht durch die tiefstehende Sonne oder Früchte. Man könnte die Liste gewiss noch länger machen, doch ich denke, dass jeder schon einmal bewusst den Herbst, mit all seinen Facetten, betrachtet hat.

Der Herbst ist auch die Zeit, wenn das Tageslicht anfängt immer kürzer zu scheinen und es recht früh dunkel wird. Man ist dadurch immer stark in seinem Zeitfenster gebunden und man sollte sich seine Fotografie-Touren im Herbst immer gut einplanen. Das Wetter verändert sich im Herbst ebenso, wie die Landschaft selbst. Gerade in dieser Jahreszeit gibt es häufiger Niederschläge und es ist in der Regel, gerade in der letzten Hälfte dieser Jahreszeit, recht nass und feucht. Wie man weiß, verträgt sich Nässe und Elektronik nicht wirklich gut. Daher sollte man besser auf seine Ausrüstung achten und vor allem vor Feuchtigkeit schützen.

Motive im Herbst

Wie am Anfang dieses Artikels schon geschrieben wurde, gibt es im Herbst unzählige Motive, die man fotografieren kann. Im Prinzip kann jeder Fotograf vom Herbst an sich profitieren. Sei es ob man Landschaftsfotograf ist, Tierfotograf, Makro, Produkte oder einfach nur mal Menschen fotografieren möchte. Der Herbst bietet doch unzählige Variation an Motiven an. Ja, man kann fast schon sagen, dass es keinem langweilig werden wird. Daher möchten wir euch an dieser Stelle ein paar Ideen geben, was genau man im Herbst fotografieren kann.

Tierfotografie

Eichhörnchen mit seinem Winterfell
Eichhörnchen mit seinem Winterfell

Bei der Tierfotografie in Verbindung mit dem Herbst, kommen einem sicherlich Eichhörnchen in den Sinn. Zumal geht es mir immer so. Im Herbst fangen sie an, wofür sie natürlich bekannt sind, ihren Wintervorrat an Nüssen zu sammeln und zu vergraben. Ab Oktober wächst ihnen so gemächlich ihr Winterfell und sie bekommen diese Ohrpuscheln (oder allgemein gesagt das Fell auf ihren Ohren), wofür sie ein hohes Plus an Niedlichkeitsfaktor erhalten. Für Fotografen ist es zudem von Vorteil, dass diese sich zu diesem Zeitpunkt etwas besser fotografieren lassen. Sie sind damit sehr beschäftigt, sich um ihren Futtervorrat zu kümmern und man kann sich ihnwn etwas besser nähern. Doch trotzdem sind sie noch recht schnell und halten nicht immer unbedingt still.

Ein weiteres Motiv im Bereich der Tierfotografie, welches man doch nur so im Herbst vorfindet, sind die Zugvögel. Jedes Jahr ab Mitte/Ende August – Anfang September, fängt es so allmählich an, dass sich die Vögel zu Schwärmen sammeln und in ihr Winterquartier ziehen. So kann man, je nachdem wo man sich hier in Deutschland befindet, auch Schwärme sehen, die man so nicht zu Gesicht bekommt. Oftmals legen diese Zwischenstopps ein und man hat so die Möglichkeit (wenn man schnell ist) diese noch zu fotografieren. Oder man kann ganze Schwärme auf Strommasten oder Stromleitungen fotografieren. Auch dies sieht man doch nur in dieser Jahreszeit.

Es gibt noch viele  andere Tiere, die im Herbst noch fotografieren kann. Man sollte die Augen immer offen und die Kamera bereit halten. Wenn man dann einmal unterwegs ist, dürfte man garantiert etwas finden. Frei nach dem Motto: Wer sucht, der findet auch etwas. Etwas Glück braucht man bei der Fotografie aber natürlich immer. Daher darf man nie die Hoffnung aufgeben, wenn man einmal kein Motiv findet.

Landschaftsfotografie

Gegenlicht Aufnahme im Wald, bei Nebel
Gegenlicht-Aufnahme im Wald bei Nebel

Der Herbst bietet in der Landschaftsfotografie ein sehr breites Spektrum an Motiven an. Man kann eigentlich schon behauptet, dass es die abwechlungsreichste Jahreszeit überhaupt ist. Verschiedene Wetterlagen wie Regen, Nebel oder Sonnenschein, verfärbtes Laub, ein weicheres Licht durch eine tiefstehende Sonne – dies und vieles mehr bietet der Herbst. Klar hängt dies immer wieder davon ab, was und wo man etwas fotografiert möchte. Im Herbst erscheinen Landschaften in einem anderen Licht, als wenn man sie, im direkten Vergleich, im Sommer fotografieren würde. Am Besten fotografiert man einmal einen Landschaft im Sommer und dann mitten im Herbst. Vergleicht man die Bilder so wird man sicherlich feststellen, dass man eine totale andere Bildstimmung erhält.

Nebellandschaften im Wald können sehr faszinierend sein. Vor allem dann, wenn die Sonne durch die Bäume strahlt und das Licht dann an den Ästen gebrochen wird. Daraus ergeben sich sehr faszinierende Gegenlicht-Aufnahmen. Wenn man die Möglichkeit hat, etwas von einem Berg aus fotografieren zu können, so kann man vielleicht (wenn man den richtigen Zeitpunkt erwischt) von oben eine von Nebel bedeckte Landschaft ablichten. Wenn auch noch Berg-, Hügelspitzen oder Gebäude aus dem Nebel heraus ausragen, so erhält man doch eine einzigartige, fast märchenhafte Landschaftsaufnahme.

farbintensiver wilder Wein
Wilder Wein ist im Herbst sehr farbintensiv

Sonnenaufgänge sind auch immer wieder faszinierend, wenn der Frühnebel noch über die Felder oder Wiesen kriecht. Wenn die Sonne dann immer stärker wird, beginnt der Nebel sich dann zu verwirbeln, wirkt also richtig dynamisch. Aber nicht nur Sonnenaufgänge sind immer wieder faszinierend, sondern auch Sonnenuntergänge oder allgemein die Abendsonne im Herbst. In Verbindung mit den verfärbten Blättern der Bäume, Sträucher oder in Weinbergen.

Weinblätter leuchten, wenn sie so langsam verwelken, in den unterschiedlichsten Rot- und Gelbtönen. Dies ist immer wieder ein meist fotografiertes Motiv, das man nur so im Herbst vorfinden kann. Man wird im Herbst definitiv ein Landschaftsmotiv finden, das man fotografieren kann. Selbst in einem Park gibt es schöne Herbst-Szenen, die sich einfangen lassen. Auch hier heißt es wieder raus gehen und fotografieren. Es lässt sich garantiert etwas in seiner unmittelbarer Umgebung finden.

Makrofotografie

Focus Stacking Aufnahme von Pilzen
Focus-Stacking-Aufnahme von Pilzen

Bei der Makrofotografie kann man eigentlich überall und zu jeder Jahreszeit Motive finden. Doch gibt es ein Motiv, welches man doch hauptsächlich nur im Herbst vorfinden wird. Die Rede ist von Pilzen. Die Fruchtkörper wachsen erst, wenn die Temperaturen runter gehen und feuchte kalte Luft sich über die Landschaften ausbreitet. Eine Makroaufnahme eignet sich dabei sehr gut, um auch die ganzen Details und Strukturen des Pilzes bzw. des Fruchtkörpers aufnehmen zu können. Manchmal schleicht sich auch das eine oder andere Insekt auf den Pilz, das man so mit bloßen Augen gar nicht wahrnimmt.

Wenn man Pilze fotografiert, so sollte man doch die Methode des „Focus Stackings“ anwenden. Dies bedeutet, das man mehrere Aufnahmen des Pilzes macht, mit verschieden gesetzten Fokus-Punkten. Danach setzt man diese Fotografien mittels Bildbearbeitungssoftware zu einem ganzen Bild zusammen. Danach erhält man eine durchgehend scharfe Aufnahme.

Aber auch andere Dinge lassen sich sehr gut als Makro-Motive fotografieren. Seien es Früchte, Pflanzen, Blätter, Insekten oder mit Tautropfen besetzte Spinnennetze auf den Wiesen und Hecken. Auch hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. In der Natur lässt sich garantiert etwas finden, das man mit seinem Makroobjektiv ablichten kann.

Der Herbst – eine Jahreszeit voller Motive

Der Herbst ist wirklich eine der schönsten Jahreszeiten, die es gibt. Gerade die Vielfalt an Foto-Motiven, die man finden kann, lassen die sommerliche Durststrecke doch immer wieder vergessen.  Ja, man kann schon sagen, dass diese eine versöhnliche Jahreszeit ist und man all das „verpasste“ nachholen kann. Worauf man aber auf alle Fälle achten sollte ist, dass der Herbst oft recht feucht sein kann. In diesem Artikel wurde ja schon auf das Problem hingewiesen, dass Feuchtigkeit der Kamera und dem Objektiv schaden kann. Von daher sollte man immer darauf acht geben, dass man die Ausrüstung so gut wie möglich trocken hält. Ein Mikrofasertuch ist in dieser Jahreszeit goldwert!

Allgemein gibt einfach keine „nur für den Herbst“ geeignete Ausrüstung oder Objektiv. Man kann  mit allen Objektiven fotografieren die man hat. Man kann wie zu anderen Jahreszeiten auch  ND Filter wie auch Polfilter einsetzen ohne irgendwelche Nachteile zu erleiden. Im Gegenteil, sie sind gerade im Herbst besonders geeignet um eine kontrastreichere Abbildung der Aufnahmen zu erhalten.

Wichtig ist nur, dass man bedenken sollte, dass der Sonnenuntergang recht früh ist. Ende September wird es um 19 Uhr schon dunkel, im Oktober bereits um 18 Uhr. Daher ist der Zeitrahmen zum fotografieren (bei Tageslicht) recht knapp bemessen. Daher sollte ein Stativ immer mit in der Ausrüstung dabei sein.

Noch ein bisschen Werbung von meiner persönlichen Seite: In meinem kommenden Buch „Fotografieren im Herbst“, welches demnächst als E-Book bei Amazon erhältlich sein wird, werde ich auf diese Thematik genauer darauf eingehen. Die hier angesprochenen Dinge werden dabei vertieft und am Ende gibt es zwei Workshops zur Bildbearbeitung und zu dem Thema „Focus Stacking“.

Denkt daran, wenn der Herbst vorbei ist, muss man wieder ein Jahr warten! Daher geht raus und habt Spaß. Im diesen Sinne gutes Licht und tolle Motive im Herbst!

 

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