11. April 2017 von Reiner Ugele

Die Wasseramsel - Cinclus cinclus

Die Wasseramsel – Cinclus cinclus

Es gibt insgesamt fünf Arten von Wasseramseln weltweit. Die hier vorkommende Art ist die sogenannte Eurasische Wasseramsel (Cinclus cinclus). Dieser Singvogel hat sich, anders als seine Verwandte, vollkommen auf das das Leben am und im Wasser spezialisiert. Der Name ist zum Teil etwas irreführend. Zu einem Teil stimmt es, dass diese Vogelart etwas mit Wasser zu tun hat, aber nichts mit einer Amsel. Woher diese Namensgebung kommt, bleibt wohl ein Geheimnis des Namensgebers. Wir hatten das große Glück, eine Wasseramsel aus direkter Nähe fotografieren und filmen zu können. Eigentlich sind diese relativ scheu und schwer zu fotografieren. Daher wollten wir euch diesen Vogel einmal genauer vorstellen und euch unsere gemachten Aufnahmen präsentieren.

Das Aussehen der Wasseramsel

Die Wasseramsel wirkt von dem Körperbau her recht pummelig und rundlich. Sie besitzt ein schwarzbraunes Federkleid mit relativ kurzen Schwanzfedern. Die bei uns lebende Wasseramsel hat ein besonders ausfallendes Merkmal: Die Kehle und der Brustbereich sind schneeweiß gefärbt. Dies ist ein Merkmal der Eurasischen Wasseramsel, womit sie sich auch von den anderen Arten eindeutig unterscheidet. Zudem hat diese auch ein auffallendes weißes Lid.

das weiße Lied ist ein Merkmal der eurasischen Wasseramsel
Das weiße Augenlid ist ein Merkmal der Eurasischen Wasseramsel

Die Wasseramsel ist sehr gut an ihr Habitat angepasst. Sie besitzt, wie bereis oben erwähnt, ein sehr rundliches Aussehen. Dies resultiert zum einem daraus, dass sie ein besonders daunenreiches Gefieder besitzt, welches als guter Wärmeisolator im kalten Wasser dient. Desweiteren hebt die starke Brustmuskulatur das rundliche Erscheinungsbild noch deutlicher hervor. Die Brustmuskulatur ermöglicht es dem Vogel, rudernde Bewegungen mit ihren kurzen und biegsamen Flügeln unter Wasser zu machen. Diese dienen als eine Art Schwimmflossen und sorgen für die nötige Stabilität bei der Nahrungssuche unter Wasser.

Ebenso besitzt die Wasseramsel sehr kräftige und robuste Beine, mit denen sie sich unter Wasser auf dem Grund festhalten und auch laufen kann. Somit kann sie der Strömung sehr gut trotzen. Auch die kurzen Schwanzfedern dienen dem Stabilisierungseffekt bei der Nahrungssuche im Wasser. Wenn der Vogel im Wasser ist, so presst dieser den Schwanz entgegen der Strömungsrichtung, sodass der Wasserdruck die Amsel auf den Grund des Gewässers drückt. Mit dieser Methode kann die Wasseramsel kraftsparend nach Nahrung auf dem Wassergrund suchen, ohne zusätzliche Energie aufwenden zu müssen.

Einen kleinen Nachteil hat dieser kurze Schwanz aber trotzdem: die Wasseramsel kann mit diesem keine engen Flugmanöver fliegen. Sie fliegt eher kurze und geradlinige Strecken über das Wasser hinweg. Aber dieser „Nachteil“ ist für einen direkt am und im Wasser lebenden Vogel nicht wirklich tragisch.

Der Lebensraum

Wie schon am Anfang dieses Artikel geschrieben wurde, liegt der Lebensraum der Wasseramsel an fließendem Gewässer. Ein wichtiger Faktor ist dabei, dass am Uferbereich Bäume stehen müssen. Die Wurzelwerke der Bäume bieten der Wasseramsel gute Möglichkeiten zum Nestbau. Aus diesem Grund leben Wasseramseln meist in Flussläufen, die durch einen dichten Wald fließen. Wie es auch bei dem Eisvogel der Fall ist, so ist die Wasseramsel ein Indikator dafür, dass die Wasserqualität in Ordnung ist. Beide Vogelarten legen einen hohen Wert auf die Qualität des Gewässers, da ihre Nahrung direkt aus diesem kommt.

Die Wasseramsel ist ein sogenannter Standvogel. Dies bedeutet, dass dieser Vogel ganzjährig in seinem Revier bleibt und kein Zugvogel ist. Nur bei sehr schlechten Witterungsverhältnissen, beispielsweise wenn das Gewässer zufriert oder austrocknet, verlässt sie ihr Revier.

Dass die Wasseramsel perfekt an ihren Lebensraum angepasst, ist nun bekannt. Auch das Nest wird direkt am oder über dem Wasser gebaut. Die kugelförmigen Nester werden im Laufe der Jahre mehrmals verwendet und wachsen mit Zeit auf bis einem halben Meter an. Die Nester werden an jedmögliche Stellen gebaut, die direkt am Wasser münden. So können dies zum Beispiel Nischen  von Brücken sein, Stauwehren, Felsspalten oder unter freigespülten Wurzeln. Die Wasseramsel nimmt praktisch alles, sozusagen ein Opportunist. Sogar künstliche Bruthilfen werden dankend angenommen, wenn sie direkt am Wasser platziert sind.

Allgemeines zu der Wasseramsel

Die Nahrung der Wasseramsel besteht hauptsächlich aus Insekten und aus im und am Wasser lebenden wirbellosen Tieren. Dies können auf dem Flussboden lebende Kleinkrebse sein oder auch Larven von Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Steinfliegen oder von Libellen sein. Vegetarische Kost nimmt die Wasseramsel nicht auf, diese ist für diesen Vogel unverträglich.

Wasseramseln brüten zwei mal im Jahr und führen aber nur eine saisonale Ehe, was bedeutet, dass der Partner von Jahr zu Jahr gewechselt wird. Dennoch kann es vorkommen, dass es zu einer Wiederverpaarung mit dem gleichen Partner kommen kann. Das Gelege kann bis zu 6 Eiern betragen und die Brutdauer beträgt ungefähr 14 Tage bis drei Wochen. Das Weibchen brütet über diese Dauer alleine. Die geschlüpften Jungen befinden sich noch ungefähr 20 bis 25 Tage im Nest, bis sie flügge werden und das Nest dann verlassen. Die Aufzucht und die Führungszeit übernehmen dann beide Altvögel.

Die Wasseramsel hat fast keine Fressfeinde zu fürchten. Gerade der Faktor, dass ihr Habitat im Wasser ist, macht sie für viele potentielle Jäger fast unerreichbar. Greifvögel, Ratten und Marder zählen zu den eigentlichen Hauptfeinden der Wasseramsel. Doch kann nur ein unvorsichtiger Jungvogel einmal Opfer eines Räubers werden. Ganz lässt sich dies nie ausschließen.

Der größte Feind ist aber die Natur selbst und der Mensch. So war die Wasserverschmutzung mancherorts ein Hauptgrund für das beinahe Aussterben der Wasseramsel. Dies hat sich aber letztendlich durch aktiven Umweltschutz verbessert, sodass dies nicht wirklich mehr eine Gefahr darstellt. Die stabile Population bestätigt dies.

Der andere Faktor ist die  Natur selbst. Überschwemmungen oder strenger Frost kann dazu führen, dass es zu Populationseinbrüchen kommen kann. Dies reguliert sich aber wieder  in den nachfolgenden Jahren, sodass der Schwund sich wieder normalisiert.

Das Verhalten der Wasseramsel

Wer einmal die Möglichkeit hat eine Wasseramsel zu beobachten, wird ihr unverkennbares und markantes Verhalten unweigerlich erkennen. Neben dem Schwimmen und dem Tauchen zeichnet die Wasseramsel ihr charakteristisches Knicksen und Blinzeln aus. Diese knicksende Bewegung hat ihr auch den englischen Namen „Dipper“, welcher für die Wasseramsel steht, verliehen. Auch das dazu gehörende typische Blinzeln, gehört zum typischen Verhalten dazu. Was genau dies zu bedeuten hat, ist nicht wirklich erforscht worden. Das naheliegendste dürfte wohl sein, dass es sich um eine Art Kommunikation handelt.

Zu der Kommunikation gehört auch, wie es bei Vögeln üblich ist, der Gesang. Bei der Wasseramsel umfasst diese verschiedenen Stimmlagen, die mit kurzen aufeinander folgenden „ziit“ Lauten ihren Hauptruf bilden. Natürlich lässt sich dieses Verhalten besser vorstellen, wenn man es auch sehen kann. Im nachfolgenden Video haben wir dieses festgehalten:

In diesem Video lässt sich gut die knicksende Bewegungen sowie das Blinzeln mit dem weißen Augenlid sehen und man hört ihren Gesang recht deutlich.

Fotografien und Filmen der Wasseramsel

Die Wasseramsel ist sehr scheu und es bedarf doch sehr viel Geduld, diese in ihrem Lebensraum fotografieren oder filmen zu können. Es empfiehlt sich auf alle Fälle eine lange Brennweite von 500 – 600mm, um diesen Vogel ungestört ablichten zu können. Eine nötige Tarnung und geduldiges Ansitzen gehört ebenso dazu wie auch das Quäntchen Glück, das jeder Tierfotograf so oft benötigt.

Bei unseren Aufnahmen hatten wir den Vorteil, dass der Bach direkt an einem Weg entlang fließt und das Ufer recht flach zuläuft. Zudem ist der Ort bzw. der Weg, der zum Uracher Wasserfall führt, oftmals stark von Menschen frequentiert. Dies ist auch im Verhalten der Wasseramsel erkennbar: die Fluchtdistanz ist bei einigen der Vögel recht gering. Aber es gibt auch andere Beispiele, die ich selber und auch ein befreundete Fotografen schon erlebt haben. Dort war die Fluchtdistanz dieser Vögel recht hoch und selbst noch viele Metern entfernt, sind diese im Tiefflug an einem vorbei geflogen. Ihr seht also, das Glück muss manchmal doch auf eurer Seite sein.

 

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