6. August 2017 von Reiner Ugele

Waldohreule Titelbild

Die Waldohreule (Asio otus)

Nachdem wir schon den Waldkauz und den Steinkauz vorgestellt haben, möchten wir euch nun eine weitere, hier heimische Eulenart vorstellen: die Waldohreule (Asio otus). Diese Eulenart gehört zu den mittelgroßen Eulen, die hier in Deutschland leben. In Europa ist diese Eule eine der am häufigsten vorkommenden Art.

Die besonderen Merkmale der Waldohreule

Die Waldohreule besitzt mit einer Körperlänge von ungefähr bis zu 36 cm und einer Flügelspannweite von etwa 95 cm die Maße eines Waldkauz. Doch ist die Waldohreule mit einem Gewicht von ungefähr 250 Gramm bei den Männchen und ca. 300 Gramm bei den Weibchen deutlich leichter als sein Artgenosse. Zudem ist der Körperbau dieser Eule deutlich schlanker und länglicher als es bei dem Waldkauz, mit einem etwas rundlich wirkenden Körperbau, der Fall ist.

Wie beim Uhu besitzt die Waldohreule auch sogenannte Federohren. Diese haben aber im Bezug auf die Hörleistung keine Funktion. Wie auch bei anderen Eulenarten dient der Gesichtsschleier zur Verbesserung der Hörleistung. Denn dieser ist wie eine Art Schalltrichter geformt, um den Schall, der von Beutetieren durch Geräusche erzeugt wird, besser wahrnehmen zu können.

Markant sind die Federohren bei der Waldohreule und der unterteilte Gesichtsschleier
Markant sind die Federohren bei der Waldohreule und der unterteilte Gesichtsschleier

Markant und auffallend sind auch die Augen der Waldohreule. Die Iris besitzt eine sehr markante, orangegelbe bis glutrote Färbung. Das Gefieder hat auf der Oberseite gelblich-braun (lehmfarbig) bis hellbraune Grundfärbung mit einer schwarzbraun gestrichelten und gefleckten Musterung. Die Unterseite des Gefieders kann eine rötlich-gelbe bis weißlich-gelbe Färbung enthalten.

Der Gesichtsschleier besitzt eine gelblich weißen Farbe mit einer dunklen Umrandung. Dieser Schleier ist auch durch seine auffällig hervorstehende Befiederung der Stirn und seitlich des Schnabels klar zu erkennen. Diese teilt die beiden Gesichtshälften bzw. den Gesichtsschleier auf, was zu einer besonderen Charakteristika der Waldohreule zählt.

Die Weibchen sind, wie auch bei den Waldkäuzen, schwerer als die Männchen und besitzen dunklere Farbtöne in ihrem Federkleid. Bei den Männchen ist die Grundfärbung der Federn heller gehalten. So lassen sich die beiden Geschlechter am einfachsten unterscheiden. Wie es auch bei vielen anderen Tieren der Fall ist, dient die Färbung des Gefieders zur Tarnung. Sie ist sehr gut dem Lebensraum angepasst, denn im Geäst der Bäume sind diese Eulen kaum zu erkennen.

Das Gefieder ist ihre Beste Tarnung vor Feinden
Tarnen und Täuschen – Das Gefieder ist ihre beste Tarnung vor Feinden

Verbreitung und Lebensraum

Der Lebensraum der Waldohreule umfasst die gesamte nördliche Halbkugel, in dem sogenannten Holarktis Habitat. So ist diese Eulenart in Europa bzw. Eurasien bis nach China und Japan zu finden. Auch in den nördlichen Regionen der USA und in den südlichen von Kanada ist die Waldohreule beheimatet. Sogar in Afrika gibt es Orte, wo diese Eule zu finden ist. Genauer gesagt sind es die Bergregionen mit Wäldern, wie im Atlas-Gebirge oder die Bergwälder von Äthiopien, die diese Eule als Habitat nutzt.

Anders als ihr Name es verraten lässt, ist die Waldohreule kein Waldbewohner. Diese Eule stellt besondere Anforderungen an ihrem Lebensraum. So ist es für diese wichtig, dass hinreichend offene Freiflächen vorhanden sind, in denen sie ihre Hauptbeute, die Maus, jagen kann. Wenn, dann nutzt die Waldohreule nur den Waldrand. Die Bäume dort dienen ihr dann als Ruheplatz für den Tag, bevor es bei einbrechender Dämmerung zur Jagd geht. Dabei sind Nadelbäume das bevorzugte Gehölz, da diese ihr ausreichend Deckung bieten. Aber auch Randgebiete von Städten, die direkt an Feldern liegen oder sogar Hecken nutzt die Waldohreule als Lebensraum.

Nadelbäume bevorzugen die Waldohreulen am liebsten
Waldohreulen bevorzugen Nadelbäume

Die Nahrung

Der Lebensraum, den die Waldohreule besiedelt, hängt auch mit der Nahrung ab. Wie ja schon geschrieben besteht die Hauptnahrung aus Mäusen. Diese Tiere bilden auch der Hauptnahrungsquelle dieser Eulenart. Aber es gibt auch Alternativen, wenn einmal das Nahrungsangebot doch recht knapp sein sollte. So werden gelegentlich auch Käfer, wie die Maikäfer, verspeist oder auch Kleinvögel geschlagen. In unserem Artikel über die Steinkäuze hatten wir ja schon erwähnt, dass diese ebenfalls oftmals Opfer der Waldohreulen sind.

Der Nachwuchs

Waldohreulen beginnen Ende März bis Anfang April mit der Brut. Für diese werden bevorzugt alte Nester von Greifvögel und Krähen verwendet. Ein Gelege beinhaltet durchschnittlich vier bis sechs Eier. Die Zahl kann jedoch, bedingt durch das jeweilige saisonale Nahrungsangebot, stark schwanken. Bei einer guten Lage können es auch bis zu acht Eier werden. Das Weibchen allein ist für die Brut zuständig und verlässt das Nest nur ab und zu einmal, wenn zum Beispiel das Männchen zu wenig Nahrung gebracht haben sollte.

Nach ungefähr 28 Tagen schlüpfen die ersten Küken. In den ersten Tagen werden diese dann intensiv vom Muttertier versorgt. Das heißt, dass die Nahrung, welches das Männchen bringt, von der Mutter in kleine Stücke zerlegt wird und diese dann an die Küken verfüttert wird. Nach 14 Tagen intensiver Pflege der Nestlinge fängt das Weibchen an, das Nest zu verlassen. Sie kümmert sich dann, zusammen mit dem Männchen, um die Verteidigung des Nests. Erst dann, wenn die Jungtiere das Nest verlassen, also zu Ästlingen werden, jagt die Mutter zusammen mit dem Vater.

Nach ungefähr 10 Lebenswochen fangen die Jungtiere an, selbstständig Beute zu jagen. Die Elterntiere füttern ab diesem Zeitpunkt ihren Nachwuchs noch ungefähr eine Woche weiter. Nach einer gewissen Zeit verlassen die Jungtier das Revier der Elterntiere und machen sich auf die Suche nach einem neuen, geeigneten Lebensraum. Dabei können sie mehrere Kilometer zurücklegen, bis sie ihr neues Revier gefunden haben. Doch in der Regel liegt dieser Radius zwischen 50 und 100 Kilometer von ihrem elterlichen Heim entfernt.

Vom Jäger zum Gejagten

Die Waldohreule steht nicht an der Spitze der Nahrungskette. Das bedeutet, dass diese auch Fressfeinde besitzen, von denen sie gejagt werden. So gehört der Uhu zu einem der Jäger, wie auch größere Greifvögelarten. Dabei können gerade brütende Weibchen Opfer von Mäusebussarden werden. Dies ist aber doch eher selten der Fall und kommt eher dann vor, wenn es zu einer Nahrungsknappheit der Hauptbeute kommt.

Wie auch beim Steinkauz gehört der Marder zu den Fressfeinden. Diese bevorzugen aber mehr die jungen und flugunfähigen Küken oder die Eier. Da die Population der Waldohreulen recht stabil ist, führen solche natürlichen Annihilationen zu keinen Schwund oder Gefährdung des Bestandes.

Im Gegensatz zu dem Waldkauz besitzt die Waldohreule einen länglicheren Körperbau
Im Gegensatz zu dem Waldkauz besitzt die Waldohreule einen länglicheren Körperbau

Bedrohung und Gefährdung

Der Bestand der Waldohreule ist primär von der Population der Mäuse abhängig. Sie mag recht stabil sein, doch auf langer Sicht wird diese Eule ebenso die Probleme bekommen wie ihre Artverwandten. Durch die intensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen wird der Lebensraum für diese Tiere auch immer geringer. Gerade die Monokulturen sind für alle Tiere kein wirklich geeigneter Lebensraum, um auf langer Sicht existieren zu können.

Von daher ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Eulenart ihren Platz auf der roten Liste der gefährdeten Tiere findet.

Die Waldohreule auf einem Baum im Tagesversteck
Die Waldohreule auf einem Baum im Tagesversteck

 


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