9. Dezember 2017 von Reiner Ugele

Männliche Skorpionsfliege

Die Skorpionsfliege – Insekt des Jahres 2018

Alle Jahre wieder wählt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) das „Insekt des Jahres“ für das kommende Jahr aus. Dieses Jahr fiel die Wahl auf die exotisch wirkende Skorpionsfliege, die in Europa zwar weit verbreitet, aber dennoch vielen unbekannt ist. Deshalb wurde dieses vom Nabu zum „Insekt des Jahres 2018“ gewählt, um die Aufmerksamkeit auf dieses einzigartig wirkende Insekt zu lenken. Aus diesem Grund möchten wir euch Lesern dieses faszinierende Insekt einmal vorstellen.

Die Skorpionsfliege (Panorpidae communis)

Die Skorpionsfliege gehört zu der Unterklasse der Fluginsekten und der Ordnung der Schnabelfliegen. Das besondere Merkmal dieser Insekten ist der verlängerte, rüsselförmige Kopf an dessen vorderen Ende Mundwerkzeuge angebracht sind. Der eigentlich gefährlich wirkende „Skorpionsstachel“, welcher der Skorpionsfliege den Namen zu verdanken hat, ist nichts anderes als ein vergrößerter Genitalbereich bei den Männchen.  Im Gegensatz zu Skorpionen wird dort kein Gift hergestellt, sondern ist rein für die Fortpflanzung gedacht. Dabei handelt es sich um eine eine Drüse, in der Sexualpheromone (Sexuallockstoffe) produziert werden, und dem spitzen Ende (Stachel), welche zur Kopulation verwendet wird. Bei den Weibchen verläuft der Hinterleib zugespitzter und wird für die Eiablage verwendet.

Männliche Skoprionsfliege
Männliche Skorpionsfliege

Der Lebensraum und das Verhalten der Skorpionsfliege

Die Skorpionsfliege klingt und sieht auf den ersten Blick gefährlicher aus als sie es ist. Mit ihren bis zu 18 Millimetern Länge ist sie auch recht unscheinbar und bleibt für viele doch eher unsichtbar; außer wenn aktiv nach ihr gesucht wird. Die besten Chance, Skorpionsfliegen finden und beobachten zu können, besteht im Sommer. In Gebüschen, an Wald- und Wegrändern und sonstigen schattigen Bereichen sind diese Insekten in ganz Mitteleuropa vorzufinden.

Was die Nahrung anbetrifft, ist das Spektrum typisch für Fliegen breit gefächert. Dank ihrer Mundwerkzeuge kann die Skorpionsfliege sich von toten und verletzten Insekten, aber auch von toten Wirbeltieren (also auch Aas) ernähren, aber auch von Früchten, Pollen, Blütennektar und sogar Kot. Gerade dieses große Nahrungsspektrum ermöglicht dieser Fliege einen großen Lebensraum zu erschließen. Sie ist also nicht abhängig wie andere Spezies, wenn es um Lebensraum und Nahrungsquellen geht und ist in dem Bereich ein Generalist.

Eine kuriose Sache gibt es doch noch, wenn es um das Thema Nahrung geht. Normalerweise sind Fliegen eine der Hauptnahrungsquellen von Spinnen. Die Skorpionsfliege ist aber sehr unerschrocken, wenn es um das Thema Nahrung geht. Sie schafft es sogar, die klebrigen Spinnennetze zu überwinden und sich über den Nahrungsvorrat der Spinne her zu machen. Wie genau sie das schafft und warum die Spinne diese dabei nicht attackiert, ist noch nicht genau erforscht worden.

 

Männliche Skoprionsfliege
Männliche Skorpionsfliege

 

Hochzeitsgeschenke

Es gibt auch unter den Insekten den Brauch, Geschenke für die Hochzeit zu übergeben. Aber bei der Skorpionsfliege hat dies rein mit dem Werben und der Fortpflanzung zu tun. Das Paarungsverhalten besteht aus mehreren Akten. Zuerst verstreut das Männchen Pheromone, die in seiner Drüse im Hinterleib produziert wird. Wird dadurch ein Weibchen angelockt und nähert sich dem Männchen, so beginnt dieser mit seinem Hinterleib zu vibrieren. Um zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen, beginnt es mit seinen Flügeln eine winkende Bewegung zu machen. Ist das Weibchen paarungsbereit, erwidert sie diese Bewegungen.

Doch so leicht lässt sich eine Skorpionsfliegen-Dame nicht überreden. Es erfordert doch ein wenig mehr von Seiten des Männchens, um seine Liebste von ihm überzeugen zu können. So bietet die männliche Skorpionsfliege dem Weibchen ein oder mehrere Geschenke an, damit er für sie der Auserwählte ist. Diese Geschenke können entweder tote Insekten sein oder Speichelkügelchen, die das Männchen in den Speicheldrüsen gebildet hat. Je mehr Geschenke das Männchen seiner Herzensdame übergeben hat, desto größer stehen die Chancen, ihre Gunst zu erobern. Gerade diese Paarungsgeschenke wirken sich positiv auf die Dauer der Kopulation sowie auf die Eierproduktion aus.

Die Eiablage erfolgt dann in weichem lockeren Erdreich. Die Eier sind dabei ineinander zu Ballen verklebt. Das Weibchen legt dabei immer mehrere Gelege. Die Larven ähneln von ihrem Erscheinungsbild her Raupen. Bis zu ihrer Verpuppung, in der sie in diesem Status überwintern, leben die Larven unter der Erde. Dabei ernähren sie sich von Pflanzen, Aas und anderen im Boden vorkommenden Kleintieren. Anfang April/Mai, je nach Witterung, schlüpfen dann die ausgewachsenen Tieren.

In einem Jahr werden immer zwei Generationen gebildet. Die nächste Generation schlüpft bei günstigen Bedingungen im Sommer und die darauffolgende Generation im Frühjahr. Letztere ist die Generation, die dann im verpuppten Stadium im Erdreich überwintert.

Bedrohungslage der Skorpionsfliege

Die Skorpionsfliege steht nicht auf der roten Liste. Das bedeutet, sie ist nicht unmittelbar gefährdet und vor dem Aussterben bedroht. Aber durch das große Insektensterben, den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in der Landwirtschaft oder gar im privaten Bereich dürfte sich die Situation allgemein weiter verschlechtern. Es gibt sicherlich viele Menschen, die dieses Insekt noch nie zu Gesicht bekommen haben. Dazu gehöre ich ebenso, da ich persönlich noch keine entdeckt habe. Matthias Gröner war auch einige Zeit auf der Suche, um ein günstiges Gebiet für die Skorpionsfliege zu finden und natürlich diese auch fotografisch festzuhalten. Gerade die geringe Größe dieses einzigartigen Insekt, macht es auch nicht immer einfach, Exemplare zu finden.

Wenn ihr in die Natur hinaus geht, dann schaut doch einmal genauer die Umgebung an. Bleibt einmal stehen und achtet auch auf die kleinsten Dinge, die ihr sonst nicht so bewusst wahrnehmen würdet. Dann seht ihr auch, wie viele wundersame Dinge es gibt, die ihr noch gar nicht kennt. Auch für uns Naturfotografen wäre es doch schade, wenn es auf einmal keine Motive mehr zum fotografieren geben würde!? Denkt darüber einmal nach.

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