27. Juni 2017 von Reiner Ugele

Steinkauz

Der Steinkauz (Athene noctua)

Der Steinkauz gehört zu den kleinen kurzschwänzigen Eulenarten (Strigidae), dessen Verbreitungsgebiet in Europa, Asien und Nordafrika liegt. Leider wird diese Eulenart in Mitteleuropa immer seltener, da sie unter einem noch immer anhaltenden Bestandsrückgang leidet. Wir hatten das Glück, dass wir in meiner direkten Nachbarschaft zwei Kauzpaare entdeckt haben. In den vergangenen Jahren beobachteten und fotografierten wir diese immer wieder. Aus diesem Grund möchten wir euch den Vogel des Jahres 1972 einmal genauer vorstellen.

Das Aussehen des Steinkauz

Der Steinkauz gehört zu den kleineren Eulenarten, die hier in Deutschland leben. Dieser misst eine Körpergröße von 21 bis 23 Zentimeter, mit einer Flügelspannweite von 53 bis zu 58 Zentimeter. Anders wie es bei dem Uhu oder der Waldohreule der Fall ist, besitzt der Steinkauz keine Federohren. Der Kopf wirkt durch das lockere Gefieder eher breit und rundlich und die Stirn eher niedrig und flach.

Der Steinkauz auf einer Sitzwarte
Ein Steinkauz auf einer Sitzwarte

Das Gefieder auf der Oberseite ist eher dunkelbraun und besitzt dichte weiße Flecken, welche auch gebändert (streifenförmig) sein können. Die Unterseite des Gefieders ist weißlich mit breiten, dunkelbraunen Streifen gehalten. Der Gesichtsschleier ist gegenüber anderen Eulenarten eher schwächer ausgeprägt. Charakteristisch ist, dass sich über den gelblichen Augen des Steinkauzes schmale weiße Übergangsstreifen befinden.

Gegenüber größeren Eulenarten, wie zum Beispiel dem Uhu oder beim Waldkauz, gibt es keine eindeutigen äußerlichen Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Steinkäuzen.

Der Lebensraum in Deutschland

Der bevorzugte Lebensraum des Steinkauz ist eine stark strukturierte Landschaft mit offenem Gelände. Neben einem großen Angebot an Baumgruppen, die als Bruthöhle, Tagesversteck und Sitzwarte dienen, benötigt er auch eine kurze, ganzjährige grüne Vegetation zum jagen seiner Beute.

alte Streuobst Bäume sind ideale Lebensräume für einen Steinkauz
Alte Streuobstbäume sind ideale Lebensräume für einen Steinkauz

Diese Landschaftsart findet er hier in Deutschland hauptsächlich in Streuobstwiesen und in Wiesen mit einem kopfbaumreichen Bestand (zum Beispiel Weidenbäume) an. Aber auch Parks, Dörfer oder Steinbrüche können dem Steinkauz ebenso als Habitat dienen.

Die Nahrung des Steinkauzes

Der größte Anteil der Nahrungsquelle für den Steinkauz macht die Feldmaus aus. Doch ist das Nahrungsspektrum etwas vielseitiger: So stehen Reptilien, Amphibien, Insekten, Nachtfalter und Regenwürmer ebenso auf seinem Speiseplan.

Die Fortpflanzung

Die Balz bei den Steinkäuzen beginnt schon in den Wintermonaten. Dabei beziehen etablierte Paare schon frühzeitig die Bruthöhle. Im Frühling zwischen April und Mai werden ungefähr bis zu sieben Eier abgelegt. Diese Zahl des Geleges ist immer abhängig von der Feldmausdichte, welche die Hauptnahrungsquelle des Steinkauzes darstellt.

Die Brutzeit beträgt zwischen 22 und 30 Tagen. Während dieser Zeit versorgt das Männchen das Weibchen. Das bedeutet, dass nur das Weibchen brütet und nur dann die Nisthöhle verlässt, wenn diese nicht mit genügend Nahrung vom Männchen versorgt wird.

Sind die Jungtiere geschlüpft, sind diese Anfangs noch blind und werden ausschließlich von der Mutter gefüttert. Das Männchen beschafft dabei die Nahrung und übergibt diese dann dem Weibchen. Nach ungefähr 25 Tagen fangen die Jungvögel dann an, das Nest zu verlassen. Als sogenannte Ästlinge erkunden sie dann die unmittelbare Umgebung der Nisthöhle.

Steinkauz Nachwuchs - Nestflüchter
Steinkauz-Nachwuchs – Nestflüchter

Ab einem Alter von ca. 40 Tagen fangen diese an, kurze Stecken zu fliegen; bleiben aber immer noch in der Nähe der Bruthöhle. Auch werden sie zu diesem Zeitpunkt auch noch von den Elternvögel gefüttert. Umso älter die Jungen werden, desto selbstständiger werden sie und fangen an, selbst zu jagen.

Wenn die Jungtiere ein Alter von zwei bis drei Monaten erreicht haben, fangen diese an, den Familienverband zu verlassen und suchen sich ein eigenes Revier. Eine Zweitbrut, wie es bei anderen Vögel oftmals der Fall ist, kommt bei den Steinkäuzen sehr selten bis gar nicht vor.

Die Gefährdung des Steinkauzes

Laut dem NABU brüten in Mitteleuropa mindestens 560.000 Paare, aber mit einer abnehmender Tendenz. Hier in Deutschland ist der Steinkauz sehr stark gefährdet und steht auf der Roten Liste. Es gibt einen Bestand von ungefähr 6.000 Paaren, was verteilt auf das gesamte Bundesgebiet doch sehr wenig ist.

Es gibt mehrere Ursachen für den starken Rückgang des Bestandes dieser Vögel. Ein wesentlicher Grund ist der Verlust an einem geeigneten Lebensraum. Dazu zählen die Rodung von Streuobstwiesen und alten Bäumen, intensive Landwirtschaft und die Sanierung alter Gemäuer. All diese Faktoren führen dazu, dass der Steinkauz hier in Deutschland gefährdet ist und es auf lange Sicht auch bleibt.

Neben den gerade genannten Faktoren, gibt es auch noch die natürlichen, die es dem Steinkauz schwer macht, eine stabile Population zu halten. Denn der Steinkauz steht nicht an der oberen Spitze der Nahrungskette, sondern besitzt einige natürliche Fressfeinde.

Zu diesen zählen alle größere Eulenarten wie die Waldohreule oder der Waldkauz, einige Greifvögel, Marder und streunende Hauskatzen. Dabei ist der Marder wohl derjenige, der den Hauptanteil ausmacht. Dieser geschickte Klettere erklimmt die Nester und frisst entweder die Eier oder die Brut (Nestlinge).

Da die Steinkäuze nur einmal im Jahr brüten, dürfte es jeden nun bewusst sein, dass die Population durch all diese Einflüsse sich nicht wirklich erholen kann. Gerade durch den massiven Schwund an Lebensraum gibt und kann es für den Steinkauz nicht wirklich einen positiven Trend geben.

Ein Erhalt von Streuobstbäumen und Streuobstwiesen und ein Überdenken der landwirtschaftlichen Nutzung von Wiesen würde diesem Vogel eine deutliche besser Chance bieten.

 

Natürlich werden wir weiter unsere Steinkauz-Familien beobachten und dokumentieren. Wir hoffen, dass sich auf lange Sicht die Situation dieser sympathischen Eulenart endlich einmal verbessern wird. Es muss allgemein ein Umdenken in der landwirtschaftlichen Nutzung folgen und zwar bei allen. Es liegt nun einmal in unserer Verantwortung, etwas zu unternehmen.

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