1. Juni 2016 von Reiner Ugele

Naturbilder Magazin Grünspechtpaar

Der Grünspecht

Manchmal muss man nicht raus in die Natur, sondern die Natur kommt zu einem selbst. Im Frühjahr des Jahres konnte ich im alten Steinbruch bei Fellbach – Oeffingen ein Brutpaar Grünspechte beobachten und fotografieren. Im vergangen Jahr hat sich ein junger Grünspecht das Wohngebiet, in dem ich lebe, als neues Revier ausgesucht. Das bedeutet, ich kann diesen immer wieder von meinem Balkon aus bequem fotografieren. Auf der anderen Seite gibt mir jedoch so etwas zu bedenken, dass der ursprüngliche Lebensraum dieses Vogels immer knapper und enger wird.

Ein Buntspecht
im Vergleich ein Buntspecht

Wenn es um Spechte geht, bringen viele Menschen dieses mit dem Buntspecht in Verbindung, der vorwiegend im Wald lebt und man diesen an dem typischen „tock tock tock“ Geräusch erkennt. Dieses Geräusch kommt dann zustande, wenn dieser Vogel bei der Nahrungssuche Maden aus toten Gehölz bohrt. Dabei hämmert er ein Loch in den Baum und da alte, abgestorbene Bäume innen vorwiegend hohl sind, wird das Hämmern dadurch verstärkt. Der tote Baum funktioniert dabei wie ein Klangkörper oder besser gesagt, wie ein Verstärker.

In Deutschland gibt auch noch andere Unterarten der Spechte, die hier heimisch sind. Neben dem Buntspecht und dem Grünspecht, gibt es hier in Europa noch andere Arten von Spechten, z.B. der Mittelspecht, der Schwarzspecht, der Wendehals oder auch der Dreizehenspecht, der aber eher in nord-östlichen Gefilden Europas vorzufinden ist. Wie die Überschrift schon erkennen lässt, wird der Themenschwerpunkt dieses Artikel auf den Grünspecht fallen. Dieser unterscheidet sich doch sehr stark im Detail, von dem allgemeinen bekannteren Buntspecht.

Wissenswertes über den Grünspecht

Der Grünspecht ist im Jahr 2014 vom Nabu als Vogel des Jahres gekürt worden. Nach einigen Recherchen eröffneten sich mir viele neue Aspekte, die ich selbst noch nicht über den Grünspecht kannte. Anders als der Buntspecht, den man ja typischer Weise im Wald (wenn man ihn nicht sieht) durch ein lautes “Tock Tock Tock” Geräusch erkennt, wenn dieser mit seinem Schnabel auf alte, morsche Bäume hämmert, ist der Grünspecht eher auf Insekten, die auf dem Boden leben, spezialisiert. Ähnlich wie bei einem Nasenbär, ist der Grünspecht mit einer ca. 10 cm langen, verhornter, mit Widerhaken bestückter Zunge ausgestattet. Mit dieser kann er dem Boden lebenden Insekten aufzusammeln. Seine bevorzugte Nahrungsquelle sind Ameisen, nur im Winter wird gelegentlich, aus Mangel an Alternativen, auch vegetarische Kost, wie zum Beispiel Vogelbeeren, bevorzugt.

Ein Grünspecht sitzend auf einem Baum
Das markante Federkleid eines Grünspechts

Das Federkleid ist eines der visuellen Unterscheidungsmerkmale zu anderen Specht-Arten. Der Grünspecht besitzt auf der Oberseite, also dem Rücken, eine dunkelgrüne Färbung. Die Unterseite hat ein helles und blasses grau-grün. Der Kopf von den Grünspechten ist an der Seite mit einer Gesichtsmaske gekennzeichnet und der Oberkopf ist bis zum Nacken mit roter Farbe gefärbt.

Um nun den Unterschied bei den Geschlechtern zu erkennen, muss man doch etwas genauer hinschauen. Dieser ist bei den Grünspechten doch recht gering im Vergleich zu den meisten anderen Vogelarten. Das Männchen kann man von dem Weibchen durch einen roten Flecken an der Wange unterscheiden. Nur das Männchen des Grünspechts besitzt so einen roten Fleck. Bei den Weibchen ist dieser nicht vorhanden, sie sind durchgehend schwarz.

Auf dem Titelbild mit den zwei Grünspechten,kann man diesen Unterschied doch recht gut erkennen. Links auf dem Baum ist das Weibchen zu sehen und rechts das Männchen, mit dem typischen roten Fleck unterhalb des Auge /  Schnabels. 

Der Lebensraum der Grünspechte

Um Grünspechte zu finden, muss man auf ihren Ruf hören. Sie sind recht laut und kündigen ihr Erscheinen immer lauthals an. Dies konnte ich jetzt öfters bei meinem „heimischen“ Grünspecht beobachten. Fliegt er auf einem Baum, so ertönt der typische gleichbleibende glucksende Ton („k’üj – k’üj – k’üj -…“). Dieser ist sehr markant und man weiß auch sofort, dass sich ein Grünspecht in der Nähe befindet. Diese Rufe hört man vermehrt in den Monaten April und Mai. Mit diesem soll das Revier des Vogels markieren werden.

Doch darf man diesen Ruf nicht dem den selteneren Grauspecht verwechseln, der dem Grünspecht auch im Aussehen ähnelt, jedoch etwas kleiner ist. Grün- wie auch Grauspecht gehören den sogenannten „Erdspechten“ an und sind in Europa die einzigen Vertreter ihrer Art. Der Grund für diese Klassifizierung liegt, wie Anfangs schon beschrieben darin, ihrer Art der Nahrungsaufnahme. Diese Spechte sind auf am Boden lebende Insekten spezialisiert und tragen daher diese Klassifizierung. Anders verhält es sich bei dem Buntspecht, der seine Nahrung aus toten Gehölz bzw. Bäume heraus „hämmert“.

Ein Grünspecht in einer Gartenanlage
Ein Grünspecht in einer Gartenanlage

Der Grünspecht bevorzugt daher Gegenden wie Waldlichtungen, Parks oder Gartenanlagen, weil dort das Nahrungsangebot besser ist, als es im Wald der Fall wäre. Wenn man einen Grünspecht fotografieren oder beobachten möchte, so sollte man doch ein paar Dinge beachten. Wie schon geschrieben, sind diese Vögel eher scheue Tiere. Trotzdem findet man diese auch dort wo es Menschen gibt. Aber er ergreift doch eher die Flucht und fliegt schnell wieder weg. Daher braucht man eine gute Portion Geduld oder man tarnt sich dementsprechend und liegt sich dann so auf der Lauer. Wichtig ist auch, dass man man sein Revier kennt, denn so hat doch bessere Chancen ihn zu beobachten und ein paar tolle Aufnahmen aus der Distanz zu machen.

Grünspechte sind in der Regel sehr scheue Tiere und man muss entweder das Glück auf seiner Seite oder eine lange Brennweite mit dabei haben. Bei dem Brutpaar war das Überraschungsmoment auf meiner Seite. Zu einem waren die zwei Vögel gerade dabei, ihr Essen zu sammeln, also etwas abgelenkt und zum anderen gab mir die Vegetation etwas Deckung. So konnte ich mich etwas heranpirschen. Die 300 mm Brennweite, die ich dabei hatte, reichte gerade noch aus, um genügend Abstand zu den Tieren zu haben und diese auch gut ablichten zu können. Eine längere Brennweite ist in diesem Fall deutlich besser, um die Fluchtdistanz der Vögel einhalten zu können.

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