12. Februar 2017 von Reiner Ugele

Eisvogel

Der Eisvogel – Alcedo atthis

Der Eisvogel gehört hier in Deutschland zu den unverwechselbarsten Vögel. Im Gegensatz zu den hier lebenden Vögel sticht dieser durch sein farbenprächtiges und schimmerndes Federkleid besonders hervor. Dieser Vogel steht auch im Allgemeinen für den Indiz für sauberes Gewässer, denn er stellt sehr hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Zudem ist der Eisvogel immer wieder ein gern verwendetes Motiv bei Tier- und Naturfotografen. In diesem Artikel möchten wir diesen Vogel etwas genauer vorstellen und am Ende auch ein paar Tipps zum Fotografieren dieses Tieres euch vermitteln.

Allgemeines zum Eisvogel

Der wissenschaftliche Name des hier vorkommenden Eisvogels lautet Alcedo atthis und gehört zu der Familie der Eisvögel (Alcedinidae). Die meisten 90 Arten der Eisvögel leben in den Regionen der Tropen von Afrika, Asiens und Australiens. Der hier vorkommende Eisvogel besiedelt weite Teile Europas, Asiens und den westlichen Bereich von Nordafrika.

Da der Eisvogel gewisse Ansprüche an seinen Lebensraum besitzt, besiedelt dieser gewisse Regionen nicht. Dazu gehören Hochgebirge, Wüsten und kältere Klimazonen wie in Island, Skandinavien oder Sibirien. Der Grund dafür ist, dass dieser über das ganze Jahr offenes Süßwasser zum Jagen benötigt. Zugefrorene oder vertrocknete Gewässer bieten ihm daher keinen Lebensraum zum Überleben.

Die am besten geeignete Lebens- und Jagdräume sind mäßig fließende oder stehende Gewässer, die kleine Fische vorweisen können. Zudem benötigen die Eisvögel sogenannte Sitzwarten, die sie für das Jagen im Wasser benötigten.

Unverkennbares Aussehen

Wie schon am Anfang geschrieben ist der Eisvogel recht eindeutig zu erkennen und ist auch sehr gut von anderen Vögel zu unterscheiden. Er ist mit ca. 20 cm etwas größer als ein Sperling und besitzt ein unverkennbares Federkleid. Die Oberseite schimmert, je nach Lichteinfall, zwischen kobaltblau und türkisfarben. Dies hat den Vorteil, dass er so (von oben betrachtet) mit dem Wasser verschmilzt und so gut getarnt gegen mögliche Feinde (Greifvögel) ist. Die Unterseite ist mehr in einem orange-braunen, kastanienbraunen Ton gehalten. Auch dies dient zur Tarnung, aber diesmal gegenüber seiner Beute. Da der Eisvogel zur Jagd auf einem Ast sitzt, verschmilzt er so mit seiner Umgebung und macht es für seine Beute fast unmöglich, diesen zu erkennen.

Charakteristisch sind auch die weißen Halsflecken und die weiße Kehle, die selbst aus größer Distanz noch gut zu erkennen sind. Natürlich gibt es noch weitere Details, die den Eisvogel unverkennbar machen. So ist ist die Färbung seitlich, im Bereich der Ohren, in einem rotbraunen Ton gehalten. Unterhalb davon ist dies mit einem blaugrünen oder blau gefärbten Streifen (Bartstreifen) deutlich abgegrenzt. Vor jedem Auge befindet sich auch eine rotbrauner Fleck, welcher von vorne betrachtet weiß wirkt.

Unverkennbar ist auch sein Schnabel, der dolchartig, also lang und spitz, nach vorne zuläuft. Er ermöglicht es ihm, seine Hauptbeute (Kleinfische) perfekt zu fischen. Mit dem Schnabel voraus stürzt sich der Eisvogel, wie ein Pfeil, kopfüber auf seine Beute und durchstößt dabei die Wasseroberfläche.

Der Ruf des Eisvogels

Der Eisvogel kann auch sehr gut an seinem Ruf identifiziert werden. Dieser ist doch recht markant und unverwechselbar. Oftmals ist es so, dass er eher gehört wird, als das er gesichtet wird. Ihr solltet einfach einamal darauf achten, wenn ihr unterwegs an Gewässer seid.

Das Unterscheidungsmerkmal zwischen Männchen und Weibchen

Der Schnabel ist auch ein Unterscheidungsmerkmal zwischen dem männlichen und weiblichen Eisvogel. Beide besitzen auf der Oberseite des Schnabels eine schwarze Färbung, doch an der Unterseite wird der Unterschied erst deutlich. Die untere hälfte des männlichen Schnabels ist etwas heller als die Oberseite des Schnabels. Beim weiblichen Eisvogel ist die Färbung des Unterschnabel in einem Orange-Ton gehalten, der sich vom Schnabel-Anfang bis zum vorderen Drittel erstreckt.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zwischen den beiden Geschlechtern findet man an der Musterung des Gefieders. Das Männchen besitzt an der Oberseite einen blauen Grundton. Auf der Oberseite des Kopfes lassen sich zudem zahlreichen azurblau schimmernde Flecken erkennen. Das Weibchen ist da eher etwas unspektakulärer. Das Federkleid ist auf der Oberseite in einem blaugrünen Ton gehalten. Wer also die Geschlechter der Eisvögel bestimmen möchte, der muss schon genauer hinschauen. Mit einem geübten Auge lässt es sich aber schnell definieren.

Hohe Ansprüche für den Lebensraum

Der Eisvogel stellt gewisse Grundanforderungen an seinen Lebensraum, die für ihn zum Überleben essentiell wichtig sind. Wie schon anfangs geschrieben, braucht dieser Süßwasser-Gebiete, die im Winter nicht zufrieren oder im Sommer nicht austrocknen. Oftmals verbindet man das Vorhandensein eines Eisvogels als einen Indikator für ein ökologisch „gesundes“ Gewässer. In dicht besiedelten Gegenden findet dieser kaum mehr einen Lebensraum. Grund dafür ist der jahrelange Kanalisierung bzw. Regulierung von Flüssen, welche ihm den Lebensraum genommen hat.

Gerade der Kanalbau und die Begradigung der Flüsse hatte zur Folge, dass die Fließgeschwindigkeit deutlich zugenommen hat. Zudem wurden durch diese Maßnahmen die ganzen Nebenarme der Flüsse trocken gelegt und für die Landwirtschaft genutzt. Für Kleinfische, die ja die Beute des Eisvogels sind, ist dieser Lebensraum einfach ungeeignet. Diese bevorzugen eher ruhigere, langsam fließende Gewässer.

Die Kanalisierung der Flüsse hatte auch noch weitere negative Auswirkung für die Eisvögel. Denn anders als es zum Beispiel die Singvögel machen, baut dieser keine Nester auf Bäumen, sondern er gräbt sich eine (oder mehrere) Bruthöhle. Diese baut er an geeigneten Stellen direkt an den Flüssen. Bevorzugte Stellen sind Steilwände aus Lehm oder festem Sand, welche frei von Bewuchs und trocken sein müssen. Dort graben dann beide Elterntiere ihre Bruthöhle, die dann für die Eiablage genutzt wird.

Der Nachwuchs

Eisvögel brüten in der Regel zwei Mal im Jahr. Anfang März beginnt, je nach Wetterlage, die erste Eiablage. Das Weibchen legt dann zwischen sechs und sieben Eier ab. Ab und zu können es auch bis zu neun Eier sein, aber dies ist eher die Ausnahme. Die Brutzeit dauert ungefähr 18 bis 21 Tagen; danach schlüpfen die Jungtiere. Die Nestlinge sind anfangs blind und nackt. Während dieser Zeit wechseln sich die Elternvögel ab, ihren Nachwuchs zu pflegen. Das heißt, ein Elternteil geht auf die Jagd, das andere schützt (genannt hudern) die Nestlinge. Nach ca. 23 bis 27 Tagen fangen sie dann an, das Nest zu verlassen.

Ende Mai bis Mitte Juni können die Jungvögel in den frühen Morgenstunden oder am Vormittag beobachtet werden. Anfangs verstecken sich diese noch im dichten und schattigen Geäst und lassen sich von den Elterntiere füttern. Erst später fliegen sie ihren Elterntiere auf die Sitzwarte entgegen und lernen von diesen, wie sie ihre Beute fischen. Wer diese Jungtiere fotografieren möchte, der sollte doch viel Geduld mitbringen und auch es muss auch der richtige Zeitpunkt erwischt werden.

Das Verhalten der Eisvögel

Der Eisvogel ist ein Einzelgänger und territorial veranlagt. Das bedeutet, dass dieser immer ein bestimmtes Revier hat, wo er lebt und auch fischt. Dieses wird auch gegenüber Konkurrenten vehement verteidigt. Die Eisvögel sind keine Zugvögel. Die Altvögel bleiben über den Winter in ihrem Revier, solange das Gewässer nicht zugefriert. Nur die selbstständigen Jungvögel fangen ungefähr im Juli bis Anfang Oktober an, auf Wanderschaft zu gehen, um ein geeignetes Winterquartier bzw. neues Revier zu suchen.

Die Gefährdung und der Bestand

Die größte natürliche Gefährdung für den Eisvogel stellt ein kalter und strenger Winter dar. Wenn das Gewässer zufriert, so ist der Weg zu seiner Hauptnahrungsquelle abgeschnitten. Neben Fischen ernährt sich zwar der Eisvogel noch von anderen Tieren wie Wasserinsekten, Kleinkrebsen oder Kaulquappen, doch sind diese im Winter auch nicht vorhanden. Die Folge daraus ist, dass viele Eisvögel durch verhungern sterben. Dies ist eine Art natürlicher Schwund, der nun einmal vorkommt. Doch dieser reguliert sich im Laufe der Jahre, durch die hohe Fortpflanzungsrate der Eisvögel, wieder von selbst.

Ein weiterer Faktor für die Bestandsgefährdung des Eisvogels liegt in der Vernichtung des Lebensraum dieser Vögel durch den Menschen. Zu einem wurde (und wird) dies durch verunreinigtes Gewässer verursacht, welche die Lebensgrundlage für diesen über Jahrzehnte hinweg entzog. Aber auch die jahrzehntelange Regulierung der Wasserstraßen, Flüssen und Bächen sowie die Trockenlegung von Wasser- und Feuchtgebieten führten zu einem starken Rückgang der Population.

All dies führte zu einer starken Bedrohung des Eisvogels. Schätzungen nach gibt es hier in Deutschland bis zu 7.000 Brutpaare und in Europa eine Population von ungefähr 160.000 Brutpaare. Der Bestand ist allgemein stabiler geworden, aber hat sich dies noch lange nicht erholt. Durch zahlreiche Maßnahmen, wie der Rückbau von Kanälen und Renaturierungsmaßnahmen, geht der Bestand der Eisvögel nicht mehr stark zurück. Trotzdem befindet sich der Eisvogel hier in Deutschland auf der Vorwarnliste und ist nach dem Naturschutzgesetz §10 Abs. 2 Nr.5 und Nr. 11 BNatSchG streng geschützt.

Tipps zum fotografieren von Eisvögel

Örtlichkeiten

Wer Eisvögel fotografieren möchte, der sollte sich erst einmal umschauen, wo es welche überhaupt gibt. Denn nicht immer ist es recht einfach welche zu finden. Natürlich gibt es gewisse „Hotspots“, die es einem einfacher machen. Unser Tipp wäre zum Beispiel die Parkanlage des Schloss Nymphenburg in München. Dort lassen sich Eisvögel sehr gut beobachten und natürlich auch fotografieren. Einige der Bilder, die ihr hier sehen könnt, sind dort aufgenommen worden.

Ausrüstung

Auf jeden Fall sollte ein Teleobjektiv ab 500 mm aufwärts verwendet werden. Wer schon einmal einen Eisvogel gesehen hat, der weiß, wie klein dieser ist. Oftmals sitzt er dann auch noch etwas weiter entfernt, so dass kleinere Brennweiten diesen nicht wirklich toll aufnehmen können. Daraus spreche ich aus Erfahrung, da ich einen Eisvogel mit 300 mm einmal fotografiert habe. Das Ergebnis war doch recht bescheiden.

Wenn ein Teleobjektiv verwendet wird, so sollte auch ein Stativ genutzt werden. Das erhöht immens die Bildqualität und beugt so einer Bewegungsunschärfe vor. Gerade dann wenn die Lichtverhältnisse nicht optimal sind, können lange Brennweiten dazu führen, dass die Belichtungszeit sich verlängert. Die Faustregel „Kehrwert durch Brennweite“ (bei APS-C Kameras Cropfaktor berücksichtigen) ergibt ja einen ungefähren Wert, wie die Belichtungszeit eingestellt werden sollte um nicht die Bewegungsunschärfe ins Bild zu bekommen.

Bei 500mm Brennweite wären das dann eine Belichtungszeit von 1/500s. Natürlich wenn ihr aus der Hand heraus fotografiert! Von einem Stativ relativiert sich dies natürlich oder wenn ihr einen Bildstabilisator an eurem Objektiv oder in eurer Kamera habt. Die Werte können je nach Umgebungslicht variieren. Bei schlechten Lichtverhältnissen muss die Belichtungszeit verlängert werden, die Blende geöffnet oder die ISO-Zahl erhöht werden. Dies kann aber alles zu ungunsten der Bildqualität gehen. Daher ist die Verwendung eines Stativ immer zu empfehlen.

Prinzipiell sollte bei Eisvögeln, sofern sie nicht an stark frequentierten Orten leben und an Menschen gewöhnt sind, immer eine Tarnung verwendet werden, da sie auf jegliche Störungen äußerst sensibel reagieren. Es gibt auch bereits viele Naturschutzgebiete, die Beobachtungs- und Fotografiehütten installiert haben. Ich verwende ansonsten ein einfaches Tarnnetz, welches den Vorteil hat, dass man es schnell mal überwerfen kann und man damit noch etwas mobil ist.

Schaut doch einfach mal bei euch an Flüssen, Bächen oder Seen vorbei, wo es Fischbestände gibt und die für Eisvögel geeignete Umgebung. Sie sind zwar recht klein, aber durch ihr schillerndes Federkleid doch recht hervorstechend. Oftmals hört man ihn, bevor man ihn entdeckt. Der höhe Ruf ist eindeutig und nicht zu überhören. Viel Spaß beim fotografieren und gutes Licht!

 

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